Oxytocin: „Kuschelhormon“ gegen Bauchschmerzen?
Schätzungsweise mehr als einen Monat pro Jahr leiden viele Menschen hierzulande an Bauchschmerzen. Doch während die Beschwerden bei vielen nach einigen Stunden wieder verschwinden, werden sie bei anderen zum Dauerzustand. Die Gründe dafür können vielfältig sein. Behandelt wird oftmals mit Opioiden. Nun bringen Forschende das „Kuschelhormon“ Oxytocin als Therapieoption bei chronischen Bauchschmerzen ins Spiel.
Oxytocin ist ein Botenstoff, der im Gehirn produziert wird und dem angstlösende sowie bindungsverstärkende Eigenschaften zugesprochen werden. Das Peptidhormon wird auch als „Kuschelhormon“ bezeichnet. Freigesetzt wird Oxytocin durch mechanische Reize der Vagina, des Uterus, der Brustwarze, den Orgasmus sowie durch das Schreien eines Babys. Zum Einsatz kommt der Wirkstoff vor allem zur Einleitung der Geburt, da er zu einer kontrahierenden Wirkung auf den Uterus führt.
Doch nun wollen Forschende eine weitere Einsatzmöglichkeit entdeckt haben. So soll das „Kuschelhormon“ auch bei der Behandlung chronischer Bauchschmerzen Anwendung finden.
Oxytocin gegen chronische Bauchschmerzen
Bereits vor Längerem konnte der schmerzunterdrückende Effekt von Oxytocin in einer Studie nachgewiesen werden. Demnach blockiert der Wirkstoff die Weiterleitung von Schmerzreizen im Rückenmark und hemmt gleichzeitig die Schmerzempfindung in der Körperperipherie, informiert das Deutsche Krebsforschungszentrum.
Nun ist es einem Forscherteam aus Österreich gelungen, darmstabile Oxytocin-Verbindungen zur gezielten Schmerzbehandlung – zur Therapie von chronischen Bauchschmerzen – zu entwickeln. Diese sollen im Vergleich zur Standardtherapie mit Opioiden mit weniger Nebenwirkungen verbunden sein. Der Grund: Die Wirkung soll lediglich auf den Darm beschränkt sein. Genau sollen spezifisch Oxytocin-Rezeptoren im Darm aktiviert werden, die durch die Bindung von Oxytocin ein Signal auslösen, das Schmerzreize im Darm verringert.
Opioide binden an Opioid-Rezeptoren, wodurch die Weiterleitung von Schmerzimpulsen an die Nervenzellen oder deren Synapsen gehemmt wird. Die Wirkstoffe besitzen unter anderem schmerzlindernde, dämpfende, beruhigende und psychotrope Eigenschaften, sind jedoch auch mit einem Missbrauchs- und Abhängigkeitspotenzial verbunden.
Das Problem: Oxytocin wird im Magen-Darm-Trakt schnell abgebaut. Die Wissenschaftler:innen der Universität Wien haben jedoch verdauungsstabile Oxytocin-Verbindungen hergestellt und patentieren lassen, die künftig in oralen Darreichungsformen zum Einsatz kommen könnten. Genau dies soll nun weiter untersucht werden, um das „Kuschelhormon“ als Behandlungsoption bei chronischen Bauchschmerzen verfügbar zu machen. Im Mausmodell war dies bereits erfolgreich.
„Unsere Forschung zeigt das therapeutische Potenzial darmspezifischer Peptide auf und bietet eine neue, sichere Alternative zu bestehenden Schmerzmitteln für jene, die unter chronischen Darm-Erkrankungen leiden“, heißt es in einer Pressemitteilung.
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