Neomycin zum Schutz vor Atemwegsinfekten?
Zwar ist der Frühling endlich da, doch die Zeit für Atemwegserkrankungen ist noch immer nicht vorbei. Dabei zeigt sich: Die Gabe von Neomycin kann vor schweren Atemwegsinfekten wie Corona und Influenza schützen.
Neomycin gehört zur Gruppe der Aminoglykoside. Das Antibiotikum wirkt vor allem gegen gramnegative Bakterien. Der Wirkmechanismus geht auf einen Eingriff in die Proteinbiosynthese der Erreger zurück. Der Wirkstoff kommt unter anderem zur Behandlung von Hautinfektionen und Ekzemen, bei Blasen- und Harnwegsinfekten, Scheidenentzündungen und Bindehautentzündungen zum Einsatz und steht in verschiedenen Darreichungsformen zur Verfügung, darunter Vaginalzäpfchen, Spüllösungen, Salben und Cremes.
Doch offenbar kann der Wirkstoff auch gegen Virusinfektionen wirken. Genau konnte eine intranasale Gabe von Neomycin Erreger von Atemwegsinfekten wie Influenza oder Corona abwehren und so eine Infektion verhindern. Das ist das Ergebnis einer Studie aus den USA.
Neomycin kann Atemwegsinfekte eindämmen
Die Forschenden haben zunächst in einem Mausmodell überprüft, wie sich eine prophylaktische Gabe von Neomycin beim Kontakt mit Coronaviren auswirkt und ob der Wirkstoff vor einer Covid-19-Erkrankung schützen kann. Die Antwort: Ja. Ähnliches ließ sich mit Influenzaviren beobachten. Die Forschenden führen dies darauf zurück, dass Neomycin die Expression von Interferon-stimulierten Genen (ISG) in der Nasenschleimhaut induziert und so für eine antivirale Breitbandimmunität sorgt. Auch bei einer therapeutischen Behandlung einer bereits bestehenden Atemwegsinfektion konnte Neomycin die Krankheitsdauer und -schwere deutlich verringern und die weitere Übertragung einschränken, wie ein Hamstermodell bestätigte.
Auf Basis dessen wurde die intranasale Gabe einer Neomycin-haltigen Salbe in einer randomisierten, doppelblinden, placebokontrollierten Pilotstudie auch am Menschen erprobt und die Ergebnisse bestätigt – bei guter Verträglichkeit. „Unsere Ergebnisse deuten darauf hin, dass Neomycin das Potenzial hat, als wirtsspezifische antivirale Strategie für die Prävention und Behandlung von Virusinfektionen der Atemwege eingesetzt zu werden“, lautet daher das Fazit.
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