L-Thyroxin: Lebensgefahr wegen Überdosis
Levothyroxin (L-Thyroxin) gehört hierzulande zu den am häufigsten verordneten Arzneimitteln. Doch unter der Behandlung drohen auch Neben- und Wechselwirkungen. Eine Überdosis L-Thyroxin kann zudem Lebensgefahr bedeuten, wie ein Fallbericht zeigt.
L-Thyroxin kommt bei Schilddrüsenfunktionsstörungen zum Einsatz. Genau wird L-Thyroxin zur Schilddrüsenhormonsubstitution bei einer Hypothyreose genutzt. Denn der Wirkstoff entspricht dem Schilddrüsenhormon Thyroxin (T4) und ist in der Wirkung ähnlich. Levothyroxin ist ein Prodrug und wird im Organismus in das wirksamere Triiodothyronin umgewandelt. Der Wirkstoff ersetzt T4, das von der Schilddrüse nicht mehr ausreichend gebildet werden kann.
Von einer Hypothyreose ist die Rede, wenn die Konzentration an Schilddrüsenhormonen im Blut zu gering ist und vermehrt TSH gebildet wird, um die Produktion von T3 und T4 anzuregen. Symptome sind ein verlangsamter Stoffwechsel, Gewichtszunahme, Frösteln, Abgeschlagenheit, Verstopfung, Haarausfall oder depressive Verstimmungen.
Kommt bei einer Schilddrüsenunterfunktion L-Thyroxin zum Einsatz, wird über den TSH-Wert kontrolliert. Doch genau das kann zum Problem werden und ein erhöhter TSH-Wert zu einer lebensgefährlichen Überdosis von L-Thyroxin führen – aufgrund einer Fehldiagnose.
Überdosis L-Thyroxin: Der Fall
Eine junge Frau wurde aufgrund einer Hypothyreose mit L-Thyroxin behandelt. Ihr TSH-Wert wurde unter der Behandlung zwar regelmäßig überwacht, allerdings lediglich in Selbstverantwortung anhand von Laborwerten. Nach vierjähriger bestehender Therapie traten die Symptome der Schilddrüsenunterfunktion erneut auf. Die Folge: Die Patientin nahm aufgrund einer angenommenen Verschlechterung der Erkrankung einfach mehr L-Thyroxin ein, und zwar auf eigene Faust. Doch genau dies hatte bei ihr schwere gesundheitliche Folgen.
Genau brachte sie die Überdosis L-Thyroxin in Lebensgefahr. So musste die Frau unter anderem mit starken Bauchschmerzen, Übelkeit, Erbrechen, Fieber sowie Hypotonie im Krankenhaus behandelt werden – Anzeichen einer lebensbedrohlichen Addison-Krise. Zur Linderung wurde Hydrocortison verabreicht und nach einigen Tagen besserten sich die Beschwerden wieder. Denn der Grund für die erneuten Beschwerden lag nicht in der Hypothyreose, sondern in einem Cortisolmangel, der durch eine Nebenniereninsuffizienz ausgelöst wurde und zudem von Hyponatriämie und Hyperkaliämie begleitet wurde. Dies führte zu einer Überproduktion von TSH, die als falsches Anzeichen für die Hypothyreose angenommen wurde.
Achtung: Mitunter wird L-Thyroxin auch unnötig eingesetzt.
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