Indikationscheck: Lithium und Koffein
Koffein steckt nicht nur in Kaffee, sondern kommt auch als Wirkverstärker in Schmerzmitteln zum Einsatz. Werden Patient:innen mit Lithium behandelt, ist in Kombi mit Koffein Vorsicht geboten. Warum, erfährst du von uns.
Lithium besitzt antimanische, antidepressive, antipsychotische und antisuizidale Eigenschaften und wird beispielsweise zur Prophylaxe einer bipolaren affektiven Störung und Episoden einer Major Depression eingesetzt – gegebenenfalls in Kombi mit Neuroleptika. Außerdem findet der Wirkstoff zur Behandlung bestimmter akuter Depressionen oder von chronischem Cluster-Kopfschmerz Anwendung. Lithium besitzt eine geringe therapeutische Breite, daher sollten die Lithiumspiegel der Patient:innen kontrolliert werden. Die volle Wirksamkeit erreicht die Substanz in der Regel bei einem Spiegel von 0,5 bis 1,2 mmol/l. Patient:innen müssen einschleichend therapiert werden, bis die individuelle Dosis erreicht ist.
Der genaue Wirkmechanismus der Lithiumsalze wie beispielsweise Lithiumcarbonat ist bislang nicht vollständig geklärt: Vermutet wird eine Freisetzung von Neurotransmittern wie Noradrenalin und Serotonin. Aber auch eine regulierende Funktion an den Membranen der Nervenzellen, bedingt durch die chemische Ähnlichkeit von Lithium mit Kalium und Natrium, wird diskutiert.
Koffein wird beispielsweise als Wirkverstärker in Schmerzmitteln eingesetzt. In Kombination mit Ibuprofen, aber auch mit Acetylsalicylsäure und Paracetamol. Primärer Wirkmechanismus des Koffeins als Comedikation in Schmerzmitteln ist die Hemmung von Adenosin-Rezeptoren des schmerz-sensorischen Systems. Denn Koffein kann die Blut-Hirn-Schranke überwinden und so antagonistisch an den Adenosin-Rezeptoren angreifen. Die Antwort auf Schmerzreize wird gedämpft.
Das Xanthin-Derivat ist in Kaffee, schwarzem Tee, Mate und Kakao enthalten und stimuliert das zentrale Nervensystem. Zudem werden Koffein harntreibende und leistungsfördernde Eigenschaften zugesprochen. Als Arzneimittel findet die psychoaktive Substanz Anwendung gegen Müdigkeit und zur Förderung der Leistungsfähigkeit.
Koffein kann Lithium-Spiegel beeinflussen
Werden Patient:innen mit Lithium behandelt, ist Vorsicht geboten. Denn zum einen können nicht-steroidale Antiphlogistika den Lithiumspiegel erhöhen. Lithium wird unverändert und nahezu vollständig renal ausgeschieden. Im Falle eines Serumanstiegs kann eine Intoxikation auftreten. Zum anderen ist in Kombi mit Koffein eine Wirkminderung möglich. Der Grund: Koffein erhöht die Lithiumausscheidung. Die Folge: eine Erniedrigung des Lithium-Serumspiegels, was zu einem Wirkverlust führen kann.
Die Lösung
Werden Patient:innen mit Lithium behandelt, sollte auf die Einnahme von Koffein-haltigen Arzneimitteln verzichtet werden – Kaffee und Co. sollten nur in Maßen konsumiert werden. Andernfalls ist die Lithiumdosis anzupassen.
Achtung: Xanthinpräparate wie beispielsweise Theophyllin-haltige Antiasthmatika oder durchblutungsfördernde Mittel wie Pentoxifyllin können ebenfalls den Lithiumspiegel erniedrigen.
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