Ibu, PCM, Opioide oder eine Kombi: Was wirkt besser gegen Schmerzen bei Kindern?
Ibuprofen, Paracetamol (PCM), beides zusammen oder doch Alternativen – leiden Kinder unter Schmerzen, stellt sich die Frage nach der richtigen Behandlung. Denn während schnelle Linderung gewünscht ist, gilt es, Nebenwirkungen zu vermeiden. Ob bei Schmerzen des Bewegungsapparates – muskuloskelettalen Schmerzen – Ibu, PCM, Opioide oder doch eine Kombi Mittel der Wahl ist, zeigt eine Studie.
Kleine, aber auch größere Unfälle sind vor allem im Kindesalter schnell passiert, beispielsweise wenn die Kleinen mit dem Fahrrad stürzen, sich am Klettergerüst verrenken oder ähnliches. Je nach Schwere des Ereignisses sind die Folgen neben blauen Flecken, Schürfwunden und Co. mitunter sogar Knochenbrüche – begleitet von muskuloskelettalen Schmerzen. Um diese zu lindern, kommen verschiedene Wirkstoffe ins Spiel, darunter Ibuprofen und Paracetamol, aber auch Opioide. Forschende aus Kanada wollten nun herausfinden, ob bei Schmerzen des Bewegungsapparates Ibuprofen allein ausreichend wirksam ist oder ob eine Kombination mit weiteren Analgetika Mittel der Wahl sein sollte.
Schmerzen bei Kindern: Ibuprofen allein wirksam?
Ein Team der pädiatrischen Klinik der University of Alberta (Kanada) hat zwei randomisierte, placebokontrollierte Studien durchgeführt, bei denen knapp 700 Kinder und Jugendliche im Alter von sechs bis 17 Jahren mit akuten Extremitätenverletzungen und mäßigen bis starken muskuloskelettalen Schmerzen medikamentös behandelt wurden. Dafür wurden drei Behandlungsmethoden miteinander verglichen:
- Ibuprofen allein (Einzeldosis 10 mg/kg Körpergewicht, maximal 600 mg)
- Ibuprofen in Kombination mit Paracetamol (Einzeldosis 15 mg/kg KG, maximal 1.000 mg)
- Ibuprofen plus Hydromorphon (Einzeldosis 0,05 mg/kg KG, maximal 5 mg)
60 Minuten nach der Anwendung sollten die Patient:innen ihre Schmerzen auf einer Skala von 0 – keine Schmerzen – bis 10 – stärkste Schmerzen – einschätzen.
Das Ergebnis: Ibuprofen allein war bei Kindern und Jugendlichen gleich wirksam wie in Kombi mit Paracetamol oder Opioiden. So sank unter allen drei Methoden der Schmerzscore um knapp 5 Stufen. Allerdings kam es vor allem unter der gleichzeitigen Anwendung mit Opioiden viermal häufiger zu Nebenwirkungen als unter Ibuprofen allein und rund dreimal häufiger als unter Ibu und PCM. Die häufigsten Nebenwirkungen waren Schläfrigkeit, Schwindel, Bauchschmerzen, Übelkeit und Erbrechen.
Das Problem: Weil Ibuprofen allein jedoch nicht immer für eine ausreichende Schmerzlinderung sorgte, sollten Behandelnde stets eine gründliche Nutzen-Risiko-Abwägung durchführen. Demnach sollten vor allem Opioide nur mit Vorsicht verordnet werden, ein genereller Verzicht wird dagegen im Hinblick auf die angestrebte Schmerzlinderung nicht empfohlen.
Wirkstoffcheck
Opioide binden an Opioid-Rezeptoren, wodurch die Weiterleitung von Schmerzimpulsen an die Nervenzellen oder deren Synapsen gehemmt wird. Die Wirkstoffe besitzen unter anderem schmerzlindernde, dämpfende, beruhigende und psychotrope Eigenschaften. Angewendet werden Opioide zur Behandlung von akuten und chronischen starken Schmerzen und zur Sedierung. Zur Wirkstoffgruppe zählen unter anderem Tramadol und Oxycodon.
Ibuprofen gehört zu den nicht-steroidalen Antirheumatika (NSAR) und hemmt die Cyclooxygenasen COX-1 und COX-2 und somit die Prostaglandinbildung. Der Wirkstoff kommt bei leichten bis mäßig starken Schmerzen zum Einsatz. Dosiert wird in Abhängigkeit von Alter und Körpergewicht, die Tageshöchstdosis liegt bei 1.200 mg Ibuprofen.
Paracetamol kommt zur Behandlung von leichten bis mäßig starken Schmerzen und Fieber zum Einsatz. Der Wirkstoff besitzt analgetische und antipyretische Eigenschaften, wirkt jedoch im Gegensatz zu Ibuprofen kaum entzündungshemmend. Der genaue Wirkmechanismus von Paracetamol ist noch nicht eindeutig geklärt, allerdings wird der antipyretische Effekt auf einen Einfluss auf das Temperaturregulationszentrum im Hypothalamus zurückgeführt. Außerdem bewirkt Paracetamol eine Hemmung der cerebralen Prostaglandinsynthese und hemmt die periphere Prostaglandinsynthese nur schwach.
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