Hochdosierte Vitaminspritzen „to go“: Warnung vor Drip Bars
Seit einiger Zeit gibt es in den USA den Trend zu sogenannten Drip Bars. Nun fasst dieser auch hierzulande immer stärker Fuß. Grund genug für die Deutsche Gesellschaft für Innere Medizin, eine Warnung vor den Vitaminspritzen „to go“ auszusprechen.
Dass hochdosierte Vitamine – beispielsweise über Nahrungsergänzungsmittel eingenommen – oftmals nicht nur unnötig, sondern sogar gefährlich sein können, haben unter anderem die Expert:innen des Bundesinstituts für Risikobewertung (BfR) bereits mehrfach deutlich gemacht. Ein Beispiel ist Vitamin D. Dennoch erfreuen sich entsprechende Supplemente weiterhin großer Beliebtheit, und zwar nicht nur zum Einnehmen. Wie die DGIM aktuell warnt, verbreiten sich auch hierzulande sogenannte Drip Bars, in denen sich Verbraucher:innen ohne Termin Vitaminspritzen „to go“ verabreichen lassen können.
Hochdosierte Inhaltsstoffe überschreiten Referenzmengen
Angeboten werden in den Einrichtungen intravenöse Infusionen mit Vitaminen, Mineralstoffen und anderen Substanzen wie Aminosäuren, und zwar zu hohen Preisen von zum Teil mehreren hundert Euro. Die Inhaltsstoffe liegen dabei in hochdosierter Form von meist mehreren tausend Milligramm vor, sodass die jeweils empfohlenen Referenzmengen pro Tag deutlich überschritten werden. So enthält ein Produkt beispielsweise 7,5 g Vitamin C – von der Deutschen Gesellschaft für Ernährung werden für Erwachsene täglich 110 mg (Männer) beziehungsweise 95 mg (Frauen) empfohlen.
Die Verabreichung der Infusion soll unter anderem die Gesundheit verbessern, die Entgiftung unterstützen, das Hautbild verschönern und das generelle Wohlbefinden steigern, weil die Inhaltsstoffe schnell in den Blutkreislauf gelangen. „Reine Geldmacherei“, kritisiert die DGIM und warnt zugleich vor den gesundheitlichen Folgen. Denn: „Es gibt keine wissenschaftlichen Belege dafür, dass gesunde Menschen, die nicht an einem Mangel leiden, durch solche Infusionen einen gesundheitlichen Vorteil erlangen.“ Möglich ist Expert:innen zufolge lediglich ein Placebo-Effekt.
Finger weg von Vitaminspritzen „to go“
Patient:innen, die befürchten, unter einem Mangel an Vitaminen oder bestimmten Mineralstoffen zu leiden, sollten daher nicht auf eigene Faust handeln, sondern Arztrücksprache halten. Denn während die Vitaminspritzen „to go“ für gesunde Menschen zwar teuer, aber in der Regel ungefährlich bleiben, kann es bei vorliegenden Vorerkrankungen gefährlich werden. Ein Beispiel sind Nierenerkrankungen. Hinzukommt, dass Injektionen möglichst stets unter ärztlicher Aufsicht verabreicht werden sollten, um unerwünschte Begleiterscheinungen wie Infektionen an der Einstichstelle, allergische Reaktionen oder Kreislaufprobleme im Blick zu behalten.
Anstelle der hochdosierten Vitaminspritzen empfehlen die Expert:innen eine ausgewogene Ernährung, die bei den meisten Menschen genüge, um einem Mangel an Nährstoffen und Vitaminen vorzubeugen.
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