HIV: Impfstoff in Sicht?
Zwar gibt es bei einer HIV-Infektion inzwischen verschiedene Behandlungsoptionen, eine wirksame Impfung jedoch nicht. Denn bisherige Anläufe zur Entwicklung scheiterten. Ist nun ein neuer Impfstoff gegen HIV in Sicht?
Hierzulande sind schätzungsweise rund 90.000 Menschen mit dem Human Immundeficiency Virus (HIV) infiziert. Das lymphotrophe Lentivirus zählt zur Familie der Retroviren und ist Auslöser der Immunschwächekrankheit Acquired Immune Deficiency Syndrome (AIDS). Die Übertragung erfolgt durch Körperflüssigkeiten, beispielsweise bei ungeschütztem Geschlechtsverkehr (anal oder vaginal) oder beim Drogenkonsum. Fand eine Infektion statt, verbleibt das Virus lebenslang im Körper und Infizierte können bei entsprechender Viruslast – über 20 Viruskopien/ml im Blutplasma – ansteckend sein.
Während inzwischen verschiedene Behandlungsoptionen sowie Präparate zur Präexpositionsprophylaxe (PrEP) einer HIV-Infektion zur Verfügung stehen, gilt dies in Sachen Impfung nicht. Denn vor allem die Anpassungsfähigkeit des Virus stellt Forschende immer wieder vor Herausforderungen. Doch nun könnte ein neuer Impfstoff gegen HIV in Sicht sein, der zu einer breiten Antikörperwirkung führen soll.
HIV: Neuer Impfstoff soll breite Antikörperbildung anregen
Weil sich HI-Viren ständig wandeln und ihre Oberflächenstruktur verändern, konnte bisher noch kein wirksamer Impfstoff gegen sie entwickelt werden. Denn die Immunabwehr kann immer wieder überwunden werden. Ein internationales Forscherteam will nun jedoch einen speziellen Impfstoff auf den Weg gebracht haben, der breit neutralisierende Antikörper entstehen lässt, die wiederum verschiedene HIV-Varianten erkennen und neutralisieren können.
Grundlage ist ein Ansteuern von Vorläuferzellen des Immunsystems – B-Zellen, deren Rezeptoren bereits die genetischen Voraussetzungen für die spätere Entwicklung breit neutralisierender Antikörper besitzen –, die durch die Impfung aktiviert werden und so eine Immunreaktion ankurbeln. Wird die Immunisierung regelmäßig durch Auffrischimpfungen verstärkt, kann sich folglich eine breite Immunantwort entwickeln. Das Prinzip basiert also darauf, die Immunzellen darauf zu trainieren, die Abwehrmechanismen von HIV zu durchschauen.
In einer Studie wurde der proteinbasierte Impfstoff gegen HIV mit einem Adjuvans im Tiermodell untersucht. Dafür wurden neben der Initialdosis sieben Auffrischimpfungen verabreicht. Das Ergebnis: Rund die Hälfte der Tiere entwickelte die gewünschten breit neutralisierenden Antikörper, die wiederum bis zu zwei Drittel der getesteten HIV-Varianten neutralisierten. Die entsprechenden Antikörper konnten oftmals auch im Blutserum nachgewiesen werden und erreichten mitunter Konzentrationen, die einen Schutz vor einer Vielzahl verschiedener HIV-Stämme erwarten lassen.
Nun sollen weitere Studien, auch an Menschen, die Wirksamkeit des womöglich neuen Impfstoffs gegen HIV überprüfen und bestätigen.
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