Glucocorticoide: An Anti-Vitamin D-Wirkung denken
Weil Glucocorticoide die Aufnahme von Vitamin D in den Darm sowie die Ausscheidung des Sonnenvitamins beeinflussen können, ist Vorsicht geboten. Patient:innen sollten unter Umständen supplementieren.
Glucocorticoide gibt es zur oralen, dermalen und inhalativen Therapie. Eine Behandlung kann unter anderem als Stoß- oder auch als Dauertherapie erfolgen. Die Wirkstoffe sind vom körpereigenen Cortisol, das in der Nebennierenrinde produziert wird, abgeleitet und wurden strukturell so verändert, dass ihre Wirkung optimiert ist. Glucocorticoide besitzen entzündungshemmende, immunsuppressive und antiallergische Eigenschaften und kommen unter anderem zur Behandlung von Allergien, rheumatischen Krankheiten sowie Autoimmunerkrankungen oder zur Substitutionstherapie zum Einsatz. Die orale Gabe erfolgt in der Regel am Morgen zwischen 6 und 8 Uhr.
Vitamin D ist an verschiedenen Prozessen im menschlichen Körper beteiligt. Dazu zählen Stoffwechselvorgänge, die Bildung von Proteinen sowie die Steuerung von Genen. Vitamin D moduliert beispielsweise das angeborene und erworbene Immunsystem, da Immunzellen Vitamin D-Rezeptoren besitzen. Die Bildung von Interleukinen funktioniert nur mit Vitamin D. Das Vitamin unterstützt außerdem die Knochen in der Aufnahme von Calcium und Phosphat und sorgt somit für gesunde starke Knochen und wirkt einer Osteoporose entgegen. D3 hemmt die Bildung des Parathormons, das den Knochenabbau fördert. Diskutiert wird auch eine positive Wirkung auf das Herz-Kreislauf-System, Diabetes Typ 2 und Krebserkrankungen.
Glucocorticoiden wird eine Anti-Vitamin D-Wirkung zugesprochen. Denn die Wirkstoffe können die Aufnahme von Vitamin D in den Darm behindern und eine erhöhte Ausscheidung verursachen. Die Folge kann ein Verlust an Knochensubstanz bis hin zu Osteoporose sein. Denn Glucocorticoide können auch die Calciumaufnahme und -ausscheidung beeinflussen sowie die Aktivität der Osteoklasten – der knochenabbauenden Zellen – erhöhen und gleichzeitig die Aktivität der Osteoblasten – der knochenaufbauenden Zellen – mindern.
Ärzt:innen sollten daher den Vitamin D-Spiegel der Patient:innen im Blick behalten und prüfen, ob eine Supplementation des Sonnenvitamins nötig ist. Dazu informiert die Deutsche Rheuma Liga: „Als Schutzmaßnahme gegen die Neu-Entstehung oder Verschlechterung einer Osteoporose werden heute routinemäßig bei jeder mehr als ein paar Tage dauernden Kortison-Therapie Vitamin D und evtl. auch Calcium gegeben. Bei geplanter längerfristiger Kortison-Therapie sind evtl. auch eine Knochendichtemessung und gegebenenfalls eine medikamentöse Osteoporosetherapie notwendig.“
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