Gefährlicher Hype: Wasserstoffperoxid nicht trinken
Ob zur Wunddesinfektion, als Bleichmittel oder sogar als Raketentreibstoff: Wasserstoffperoxid kommt in verschiedenen Bereichen zum Einsatz, allerdings nur zur äußerlichen Anwendung. Inzwischen wird jedoch auch das Einnehmen beziehungsweise Trinken von Wasserstoffperoxid von selbsternannten Gesundheitsexpert:innen gehypt – mit schweren Folgen.
Wasserstoffperoxid kommt in der Apotheke unter anderem in Desinfektionsmitteln zum Einsatz. Die Chemikalie kann in Lösungen sowohl an private Endverbraucher:innen als auch an berufliche Verwender:innen abgegeben werden. Dabei ist jedoch die Konzentration entscheidend. Auch im Haushalt findet die chemische Verbindung aus Wasserstoff und Sauerstoff Anwendung, beispielsweise zum Bleichen von Kleidung, als Haarfärbemittel oder zur Desinfektion von Wunden. Aber auch zum Gurgeln – stark verdünnt – kommt H2O2 mitunter zum Einsatz, unter anderem, um Hals- und Rachenentzündungen abzumildern.
In verschiedenen „Gesundheitsforen“ und über die Sozialen Medien werden jedoch auch Tipps rund um die Einnahme und/oder das Trinken von Wasserstoffperoxid verbreitet – mit angeblich positiven Effekten auf die Gesundheit. Expert:innen haben die Folgen des gefährlichen Trends untersucht.
Trinken verboten: Wasserstoffperoxid kann zum Tod führen
Die Einnahme beziehungsweise das Trinken von hochkonzentriertem (≥ 10 Prozent) Wasserstoffperoxid soll beispielsweise gegen Infektionen wirken und chronische Beschwerden lindern oder sogar bei Krebs Wirkung zeigen. Belegt ist dies jedoch nicht. Im Gegenteil. Stattdessen sind die zahlreichen negativen Auswirkungen einer Aufnahme von H2O2 durch Studien nachgewiesen. Dazu gehören unter anderem Embolien, Gewebeschäden, Atemnot, neurologische Veränderungen, Schlaganfälle.
Ein Team der medizinischen Fakultät der University of Colorado (USA) hat Daten des National Poison Data System zu Vergiftungsunfällen durch oral aufgenommenes Wasserstoffperoxid analysiert, und zwar über einen Zeitraum von zehn Jahren.
Das Ergebnis: Berichtet wurden knapp 300 Fälle (294). In 14 Prozent davon entwickelten die Betroffenen eine Embolie. Bei 7 Prozent kam es zu dauerhaften Schäden wie Behinderungen oder sogar zum Tod.
Daher wird dringend von einer entsprechenden Anwendung abgeraten. Mehr noch: Auch die regelmäßige äußerliche Anwendung von Wasserstoffperoxid kann negative Auswirkungen haben und zu Hautreizungen, Verätzungen und Co. führen.
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