Dextromethorphan: Hustenstiller als Antidiabetikum
Dextromethorphan ist als Hustenstiller bekannt. Doch das Antitussivum kann auch den Blutzuckerspiegel bei Diabetiker:innen senken. Wissenschafler:innen ist es gelungen, den Wirkstoff so zu verändern, dass die positive Wirkung erhalten bleibt, aber die Blut-Hirn-Schranke nicht mehr passiert wird und somit die typischen Nebenwirkungen wie Schwindel und Müdigkeit verhindert werden.
Dextromethorphan wird zur kurzzeitigen symptomatischen Behandlung von Reizhusten angewendet. Das Codein-Analogon kann aber noch mehr, nämlich die Glucose-abhängige Insulin-Freisetzung aus den Inselzellen der Bauchspeicheldrüse fördern – sprich bei erhöhtem Blutzuckerspiegel mehr Insulin abgeben. Außerdem kann der Hustenstiller die insulinproduzierenden Betazellen in der Bauchspeicheldrüse stärken und womöglich sogar vor dem Zelltod schützen.
Allerdings gehören unter anderem leichte Müdigkeit und Schwindelgefühl zu den unerwünschten Wirkungen des zentralwirksamen Antitussivums. Das Team um Professor Dr. Eckhard Lammert, Direktor des Instituts für Vaskular- und Inselzellbiologie am Deutschen Diabetes-Zentrum (DDZ), hat den hustenstillenden Wirkstoff so modifiziert, dass er nicht mehr die Blut-Hirn-Schranke passiert und keine Nebenwirkungen wie Schwindel und Müdigkeit verursacht, aber trotzdem die positiven Wirkungen außerhalb des Gehirns voll entfaltet.
„Die Beobachtung, dass die neuen Wirkstoffe deutlich weniger Nebenwirkungen aufweisen, macht sie zu interessanten Kandidaten für die Zukunft der Diabetestherapie“, erklärt Professor Michael Roden, Wissenschaftlicher Direktor und Vorstand des DDZ im Sommer 2021. „Trotz der Verfügbarkeit zahlreicher Medikamente für die Diabetestherapie besteht immer noch Bedarf nach wirksameren und besser verträglichen Therapieformen zur gezielten Diabetesbehandlung.“
Lammert sieht auch die Möglichkeit, zukünftig Opiate ohne Suchtpotential zu entwickeln. „Als Gesellschaft sind wir aufgefordert, Krankheiten besser als bislang zu bekämpfen. Die Arbeit an besseren Therapien ist leider mit vielen Risiken verknüpft, aber – wie wir an den Impfstoffen gegen Covid-19 sehen konnten – zuweilen für die Gesellschaft durchaus lohnenswert“, erklärt Lammert.
Das könnte dich auch interessieren
Mehr aus dieser Kategorie
8 Prozent Capsaicin: Chili-Pflaster gegen chronische Schmerzen
Chili ist nicht nur eine beliebte Zutat in der Küche, sondern kann auch zur Behandlung von Schmerzen eine Rolle spielen. …
Pneumokokken-Impfung: Stiko aktualisiert Empfehlung
Update zur Pneumokokken-Impfung: Die Ständige Impfkommission (Stiko) hat ihre Empfehlung aktualisiert und sich für die Nutzung des 20-valenten Konjugatimpfstoffs ausgesprochen. …
ADHS: Methylphenidat zum Kauen und retardiert
Für Kinder im Alter von sechs bis 17 Jahren ist mit Tuzulby (Neuraxpharm) die erste Methylphenidat-Kautablette mit verlängerter Wirkstofffreisetzung auf …












