Desinfektionsmittel auch gegen Omikron wirksam
Omikron gehört zu den besorgniserregenden Virusvarianten und besitzt eine höhere Übertragbarkeit. Daher stellt sich nicht nur die Frage, ob der Impfschutz gemindert ist, sondern auch, ob die Mutation möglicherweise eine erhöhte Resistenz gegenüber Desinfektionsmitteln aufweist. Die Antwort liefert der Verbund für Angewandte Hygiene (VAH).
Die AHA+L-Regeln sind inzwischen längst zum Alltag geworden und in wohl jeder Tasche ist ein Desinfektionsmittel zu finden. Schon im April 2021 hat die Desinfektionsmittel-Kommission im VAH zur Wirksamkeit von Desinfektionsmitteln gegenüber neuen besorgniserregenden Coronavirus-Varianten Stellung genommen. Denn schon vor Monaten stellte sich die Frage, ob neue Varianten mit einer erhöhten Übertragbarkeit, bei denen der Impfschutz reduziert ist, eine erhöhte Resistenz gegenüber Desinfektionsmittel aufweisen.
Die neuen Virusvarianten wie Alpha, Gamma, Delta und Omikron weisen Veränderungen des Spike-Proteins auf. Dieses bindet an den ACE-2-Rezeptor auf der Zelloberfläche. Hat das Virus angedockt, kann sein Erbgut in die menschlichen Zellen eingeschleust werden. Antikörper sollen die Bindung des Spike-Proteins an die Zelle verhindern und das Virus so neutralisieren – doch die Veränderungen am Spike-Protein machen es den neutralisierenden Antikörpern schwer – der Impfschutz kann vermindert sein.
Desinfektionsmittel hingegen haben eine Wirkung auf die Lipidhülle des Virus. SARS-CoV-2 gehört zu den behüllten Viren und ist somit gegenüber Desinfektionsmitteln instabil – die Lipidhülle kann zerstört und das Virus inaktiviert werden. Dazu müssen Produkte mit dem Zusatz „begrenzt viruzid“ eingesetzt werden.
Wie lange SARS-CoV-2 auf verschiedenen Oberflächen aktiv ist, wurde bereits zu Beginn der Pandemie untersucht und der Zeitraum liegt je nach Oberfläche bei mehreren Stunden bis Tagen. „Das Risiko einer Übertragung von SARS-CoV-2 über die Fläche wird in Abwägung aller vorhandenen Studien von Experten allgemein als gering eingeschätzt“, teilt die VAH mit. „Weitergehende aktuelle Untersuchungen haben bestätigt, dass die besorgniserregenden Varianten hinsichtlich der Überlebensfähigkeit auf verschiedenen Flächen und hinsichtlich Inaktivierungspotenzials durch Desinfektionsmittel ein sehr ähnliches Profil zeigen wie das zu Anfang der Pandemie aufgetretene SARS-CoV-2.“
Das Fazit der Expert:innen: „Es gilt somit weiterhin die Aussage, dass alle Produkte, die in der Desinfektionsmittel-Liste des VAH als begrenzt viruzid (oder begrenzt viruzid PLUS oder viruzid) veröffentlicht werden, auch gegen die neuen Varianten von SARS -CoV-2 wirksam sind. Dies schließt auch die besorgniserregende Virusvariante Omikron (B.1.1.529) mit ein.“
Die Mutationen des Spike-Proteins beeinflussen die Wirksamkeit der grundsätzlich immer im Überschuss eingesetzten Desinfektionsmittel, die auf die Lipidhülle von Viren wirken, nicht. Tröpfchen und Aerosole bleiben die wichtigsten Übertragungswege für SARS-CoV-2.
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