Debatte um PTA-Vertretung: PTA als Kammermitglieder?
Kaum ein Punkt der geplanten Apothekenreform erhitzt die Gemüter so stark wie die PTA-Vertretung. Kritik kommt unter anderem von der Abda. Doch auch wenn die aktuellen Pläne laut dem Bundesverband der PTA (BVpta) nicht tragbar sind, braucht es für den PTA-Beruf eine Aufwertung. Gezielte Fort- und Weiterbildungen sind eine Stellschraube, doch dabei besteht Nachholbedarf. Abda-Vizepräsidentin Ina Lucas bringt eine Lösung ins Spiel: PTA als Kammermitglieder.
Die Bundesregierung hält an den vorgelegten Plänen zur Apothekenreform weitgehend fest. Dazu gehört auch die PTA-Vertretung, die zunächst nur in ländlichen Regionen und für einen Zeitraum von fünf Jahren erprobt werden soll. Eine entsprechende Weiterbildung für vertretungsbefugte PTA ist dafür jedoch nicht mehr vorgesehen. Kein Wunder, dass deutliche Kritik daran laut ist.
Nach aktuellem Stand ist das Vorhaben nicht tragbar, hat die BVpta-Vorsitzende Anja Zierath im APOTHEKE LIVE klargestellt. „Dem hätten wir nie so zugestimmt.“ Im Kern handele es sich bei den aktuellen Plänen der Bundesregierung um die bereits von Warkens Vorgänger Karl Lauterbach (SPD) angedachten Pläne. So herrsche offenbar weiter der Irrglaube, dass PTA womöglich leichter zu finden und kostengünstiger seien und damit die Arzneimittelversorgung sicherstellen können. Doch ohne klare Grenzen, festgelegte Voraussetzungen und Co. sei eine PTA-Vertretung nicht umsetzbar. Und auch die geplante Erprobung in ländlichen Regionen ist Zierath ein Dorn im Auge. Eine Art „Live-Generalprobe“ dürfe es nicht geben, immerhin steht die Gesundheitsversorgung im Zentrum. Stattdessen müssten zunächst unter anderem Fragen der Haftung, aber auch der Entlohnung geklärt werden. Denn: „PTA sind keine kostengünstigen, kleinen Apotheker:innen.“
Zustimmung kommt von Abda-Vize und Kammer-Präsidentin in Berlin, Ina Lucas. Angesichts von Fachkräftemangel und Co. sei es zwar nachvollziehbar, eine weitere Berufsgruppe zur Sicherstellung der Arzneimittelversorgung heranziehen zu wollen. Aber dafür müssten die jeweiligen Konditionen klar sein. Statt einer reinen PTA-Vertretung müssten die Perspektiven und Aufgaben im gesamten Apothekenteam neu definiert werden.
Mehr Fort- und Weiterbildungen: PTA als Kammermitglieder?
Hinzukommt, dass nur wenige PTA die Voraussetzungen für die PTA-Vertretung wie ausreichend Fortbildungspunkte und Co. überhaupt erfüllen würden. Dies hat verschiedene Gründe, darunter auch die hohen Hürden. Außerdem fehlt laut Zierath bisher eine einheitliche Zuständigkeit für gezielte Fort- und Weiterbildungen für PTA. Die Lösung: Neben Apotheker:innen könnten auch PTA Kammermitglieder werden. „In meiner idealen Welt würden wir anfangen, die PTA als Kammermitglieder anzubinden – mit allem, was dazugehört. Dann kann man auch Berufsrechtsdebatten führen“, erklärte Lucas und bekam Zustimmung von der BVpta-Vorsitzenden.
Denn fest steht: Der PTA-Beruf muss laut Zierath dringend weiterkommen. Schon jetzt sei die Abwanderung hoch und vielen Kolleg:innen fehle die Perspektive. Hier müsse dringend gegengesteuert werden – zum Beispiel mit zusätzlichen Aufgaben. Für Zierath ist dabei denkbar, eine Abzeichnungsbefugnis auch von PTA zu PTA zu ermöglichen. Gleiches gilt für den Umgang mit BtM – unter entsprechender Weiterqualifizierung. Auch die verstärkte Übernahme von pDL, womöglich auch außerhalb der Apotheke, sei eine Idee. So könnte sich Zierath beispielsweise Hausbesuche bei Patient:innen vorstellen, um zu prüfen, ob erstellte Medikationspläne korrekt umgesetzt oder Inhalatoren richtig angewendet werden.
Lucas wünscht sich vor allem eine eindeutigere Koordination aller an der Versorgung beteiligten Akteure – auch im Hinblick auf digitale Instrumente. Dann könnte besprochen werden, wer welche Aufgaben übernimmt. Und auch Debatte rund um impfende PTA und Co. müssten irgendwann geführt werden. Insbesondere die hohe Therapiekompetenz von PTA müsste außerdem stärker genutzt werden, denn diese leistet einen wichtigen Beitrag zur Compliance. „PTA müssen in den Versorgungsalltag künftig noch stärker integriert werden.“
Erhöhung des Fixums nicht die alleinige Lösung
Alternativen zur PTA-Vertretung wie die Einführung eines Physician Assistant sind laut Lucas zwar denkbar, aber zunächst einmal sollte versucht werden, mit den vorhandenen Berufsgruppen Lösungen zu finden. Dass dies vor allem an der zunächst verschobenen Honorarerhöhung abhänge, wie oft deutlich gemacht wird, sieht Zierath kritisch. „Was ist, wenn die 9,50 Euro morgen kommen – spüren das PTA dann wirklich?“ So habe sich bereits früher gezeigt, dass sich an den Bedingungen für PTA nicht allzu viel verändert hat. Allein die Abschaffung des Schulgeldes und Co. hätten viel zu lange gedauert. Eine Erhöhung des Fixums ist demnach nicht die alleine Lösung, sondern es brauche ein generelles Umdenken.
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