Brustkrebs: Mundbakterium als Risikofaktor?
Brustkrebs gehört hierzulande zu den häufigsten Krebserkrankungen. Etwa jede achte Frau erkrankt im Laufe ihres Lebens daran. Verschiedene Risikofaktoren können die Entstehung der Krankheit begünstigen. Nun zeigen Forschende: Ein Bakterium aus dem Mund kann ebenfalls Brustkrebs fördern.
Bis zu 75.000 Neuerkrankungen an Brustkrebs werden hierzulande pro Jahr verzeichnet. Neben genetischen Faktoren und zunehmendem Alter erhöhen auch Rauchen, starker Alkoholkonsum und Übergewicht das Risiko für die Krankheit, ebenso wie eine Hormonersatztherapie. Und auch die Mundflora könnte eine Rolle spielen. Genau soll das Bakterium Fusobacterium nucleatum ein Risikofaktor sein. Wie Forschende herausgefunden haben, kann das Bakterium aus dem Mund offenbar Brustkrebs auslösen und ihn sogar aggressiver machen.
Mundbakterium fördert Brustkrebs
Der Reihe nach. Ein Team des Johns Hopkins Kimmel Cancer Center und des Bloomberg-Kimmel Institute for Cancer Immunotherapy hat untersucht, welchen Einfluss Fusobacterium nucleatum auf die Entstehung von Brustkrebs hat. Denn bisher ist bereits bekannt, dass zwischen dem Bakterium und Darmkrebs sowie anderen Krebsarten ein Zusammenhang besteht. Der Grund: Fusobacterium nucleatum ist in der Regel an der Entstehung von Parodontitis im beteiligt, die wiederum mit Krebserkrankungen in Verbindung steht. Kommt das Bakterium häufiger und in größerer Anzahl vor, steigt folglich das Risiko für einige Krebsarten.
Das gilt auch für Brustkrebs. Denn wie die Forschenden entdeckt haben, gelangte das Bakterium mitunter in den Blutkreislauf, lagerte sich im Brustgewebe an und löste dort Gewebeveränderungen und Entzündungen aus – es kam zu einem Anstieg der entzündungsfördernden Zytokine Interleukin-6 und dem Tumornekrosefaktor-alpha (TNF-α).
Doch damit nicht genug. Denn lagen bereits Krebszellen vor, beschleunigte das Bakterium deren Ausbreitung in andere Körperregionen und förderte außerdem das Tumorwachstum. Dafür genügte bereits eine kurze Exposition mit Fusobacterium nucleatum. Denn dieses erhöhte die Aktivität des Stoffwechselenzyms Sperminoxidase (SMOX). Beides konnte im Mausmodell sowie mithilfe menschlicher Brustkrebszellen nachgewiesen werden. Somit stellt das Mundbakterium wohl einen Risikofaktor für Brustkrebs dar.
„Unsere Ergebnisse zeigen einen Zusammenhang zwischen Mundmikroben und dem Brustkrebsrisiko und dessen Fortschreiten, insbesondere bei genetisch anfälligen Personen“, fassen die Forschenden zusammen. In ihrer Untersuchung überprüften sie zudem den Einsatz von zwei SMOX-Inhibitoren, um den Effekt wieder aufzuheben und bringen dies als möglichen Behandlungsansatz ins Spiel, der jedoch noch weiter untersucht werden muss.
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