Blasenentzündung: Phytos empfohlen
Bei unkomplizierten Blasenentzündungen werden künftig auch Phytotherapeutika statt einer Antibiose empfohlen. Das ist das Ergebnis der Aktualisierung der S3-Leitlinie für unkomplizierte, bakterielle Harnwegsinfektionen bei Erwachsenen.
Die Deutsche Gesellschaft für Urologie (DGU) hat die S3-Leitlinie für Harnwegsentzündungen überarbeitet und spricht sich damit klar für nicht-antibiotische Behandlungsoptionen für Frauen mit unkomplizierter Blasenentzündung aus. Phytos erfahren ein Upgrade und der Einsatz von Antibiotika soll eingeschränkt werden. „Die Empfehlung zur nicht-antimikrobiellen Behandlung unkomplizierter Harnwegsinfektionen konnte aufgrund neuer Evidenz bestärkt werden“, so die Expert:innen. Die neue Leitlinie richtet sich nicht nur an Ärzt:innen, sondern auch an das pharmazeutische Personal, dem somit mehr Kompetenzen zugesprochen werden.
Auslöser einer Cystitis können beispielsweise Bakterien sein. Escherichia coli verursacht meist unkomplizierte Infekte. Enterokokken, Staphylokokken und Pseudomonas können für komplizierte Harnwegsentzündungen verantwortlich sein. Eine unkomplizierte Harnwegsinfektion liegt laut Definition vor, wenn im Harntrakt keine relevanten funktionellen oder anatomischen Anomalien, keine relevanten Nierenfunktionsstörungen und keine relevanten Begleiterkrankungen/Differenzialdiagnosen vorliegen, die eine Harnwegsinfektion oder gravierende Komplikationen begünstigen.
Gemäß Leitlinie wird in verschiedene Personengruppen unterschieden:
- nicht schwangere Frauen in der Prämenopause ohne sonstige relevante Begleiterkrankungen
- Schwangere ohne sonstige relevante Begleiterkrankungen
- Frauen in der Postmenopause ohne sonstige relevante Begleiterkrankungen
- jüngere Männer ohne sonstige relevante Begleiterkrankungen
- Diabetiker:innen mit stabiler Stoffwechsellage ohne sonstige relevante Begleiterkrankungen
- und neu: geriatrische Patient:innen mit mehr als zwei behandlungsbedürftigen Systemerkrankungen
Bei der Behandlung steht fest: Die Indikation zu einer Antibiotikatherapie soll kritisch gestellt werden, um unnötige Therapien und Resistenzentwicklungen zu vermeiden, so die Expert:innen. „Bei nicht-geriatrischen Patienten sollte die alleinige nicht-antibiotische Therapie als Alternative zur antibiotischen Behandlung erwogen werden.“ In der alten Leitlinie erhielten Phytos und Analgetika lediglich eine „Kann“-Empfehlung. Mit dem Upgrade auf Emfehlungsgrad B wurde diese zu einer „Soll“-Empfehlung.
Infrage kommen Analgetika wie Ibuprofen und Diclofenac sowie die Phytos Uva Ursi (Bärentraube) und BNO 1045 (Kombination aus Liebstöckel, Rosmarin und Tausendgüldenkraut enthalten in Canephron N und Canephron uno (Bionorica)).
Eine unkomplizierte Blasenentzündung kann mit folgenden Antibiotika behandelt werden:
- Mittel der Wahl: Fosfomycin-Trometamol (3.000 mg, 1x tgl., 1 Tag), Nitrofurantoin (50 mg 4-6x tgl., 7 Tage), Nitrofurantoin RT (100 mg 2-3x tgl., 5 Tage), Nitroxolin (250 mg 3x tgl., 5 Tage), Pivmecillinam (400 mg 2-3x tgl., 3 Tage)
- Trimethoprim – nicht Mittel der ersten Wahl, wenn die lokale Resistenzsituation von E. coli mehr als 20 Prozent beträgt
- Cefpodoxim-Proxetil und Cotrimoxazol – nicht Mittel der ersten Wahl
- Ciprofloxacin, Levofloxacin, Norfloxacin, Ofloxacin sollten nur verschrieben, wenn andere Antibiotika als ungeeignet angesehen werden.
Um Rezidiven vorzubeugen, spricht die Leitlinie „Kann“-Empfehlungen (Empfehlungsgrad C) für Cranberry-haltige Präparate, Glucosaminglykan-(GAG)-Schicht-Substituenten, D-Mannose und Uro-Vaxom aus. Ebenso für den Einsatz von Östrogen-haltigen Cremes bei postmenopausalen Frauen.
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