ADHS: Methylphenidat treibt BMI in die Höhe
Bis zu 6 Prozent der Kinder und Jugendlichen leiden allein hierzulande unter einer Aufmerksamkeitsdefizit/Hyperaktivitätsstörung (ADHS). Zur Behandlung gehört Methylphenidat zu den Mitteln der Wahl. Doch der Wirkstoff kann im Erwachsenenalter Folgen haben. Unter anderem kann Methylphenidat für einen erhöhten BMI sorgen.
ADHS gehört zu den häufigsten psychischen Störungen, insbesondere bei Kindern und Jugendlichen. Dabei handelt es sich um eine Neurotransmitterstörung des Dopaminrezeptors, die in vielen Fällen erblich bedingt ist. Die Erkrankung kann mitunter bis ins Erwachsenenalter fortbestehen. Kennzeichen sind Hyperaktivität, Unaufmerksamkeit und Impulsivität. Als medikamentöse Behandlung kommen unter anderem Wirkstoffe wie Atomoxetin oder Methylphenidat zum Einsatz. Doch letzteres kann negative Folgen haben. Genau kann Methylphenidat bei ADHS im Kindesalter später zu einem erhöhten Body-Mass-Index BMI führen.
Methylphenidat gehört zu den Amphetamin-ähnlichen Substanzen. Der Arzneistoff wirkt stimulierend im zentralen Nervensystem. Das indirekte Sympathomimetikum hemmt die Wiederaufnahme von Dopamin und Noradrenalin. Somit erhöht sich die extrazelluläre Konzentration. Nebenwirkungen können Appetitverlust, Schlaflosigkeit und Beeinträchtigung des Reaktionsvermögens sein.
Methylphenidat: Höherer BMI, geringere Körpergröße
Das haben Forschende aus Südkorea herausgefunden. Genau hat ein Team der Korea-Universität Seoul anhand von Daten von knapp 25.000 Personen zwischen sechs und 19 Jahren untersucht, wie sich eine ADHS-Diagnose und eine Behandlung mit Methylphenidat in der Kindheit auf den BMI und die Körpergröße im Erwachsenenalter auswirken.
Das Ergebnis: Wurde bei den betrachteten Personen im Kindesalter – noch vor der Pubertät – ADHS diagnostiziert, wiesen sie im frühen Erwachsenenalter einen höheren BMI auf als Personen ohne die Diagnose. Besonders deutlich fiel der Unterschied aus, wenn die Erkrankung mit Methylphenidat behandelt wurde, insbesondere bei einer Langzeitbehandlung von mehr als einem Jahr. Unter der Therapie mit dem Wirkstoff stieg demnach das Risiko für späteres Übergewicht. Zudem fiel die Körpergröße bei den Patient:innen in der Regel deutlich geringer aus. Die genauen Ursachen dafür sind bisher nicht bekannt.
Dennoch empfehlen die Forschenden, Patient:innen bei einer Methylphenidat-Behandlung engmaschig zu überwachen und dabei vor allem das Wachstum im Blick zu behalten. „Die Ergebnisse dieser Kohortenstudie deuten darauf hin, dass Kinder und Jugendliche vor der Pubertät mit ADHS, insbesondere solche, die mit Methylphenidat behandelt werden, im Erwachsenenalter ein erhöhtes Risiko für einen höheren BMI und eine geringere Körpergröße aufweisen könnten“, heißt es. Daher sollte vor dem Start einer Therapie eine sorgfältige Nutzen-Risiko-Abwägung erfolgen.
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