Abnehmspritzen auch wirksam gegen Migräne?
GLP-1-Rezeptoragonisten wie Semaglutid werden seit Längerem neben der Diabetes-Behandlung vor allem zum schnellen Gewichtsverlust gefeiert. Doch die auch als Abnehmspritzen bekannten Wirkstoffe könnten auch einen Einfluss aus Migräne haben.
Inkretinmimetika wie Semaglutid und Liraglutid sind GLP-1-Analoga und wirken selektiv als GLP-1-Rezeptoragonisten – binden sie an den Rezeptor, wird dieser aktiviert. Dadurch wird einerseits der Blutzuckerspiegel glukoseabhängig durch Stimulation der Insulinsekretion und Senkung der Glucagonsekretion gesenkt. Andererseits kommt es zu einer Appetitreduktion und damit einer geringeren Energieaufnahme, was sich wiederum positiv auf Körpergewicht und Körperfettmasse auswirkt. Daher werden die Wirkstoffe auch als Abnehmspritzen gefeiert.
Daneben werden Inkretinmimetika weitere positive Effekte zugesprochen, beispielsweise ein verringertes Darmkrebsrisiko. Und auch bei chronischer Migräne sollen die Abnehmspritzen Wirkung zeigen, wie Forschende nun deutlich machen.
Von chronischer Migräne ist die Rede, wenn Kopfschmerzen an mindestens 15 Tagen pro Monat über einen Zeitraum von mindestens drei Monaten auftreten, wobei an mindestens acht Tagen typische Migränesymptome wie pochende Schmerzen, Übelkeit oder Lichtempfindlichkeit vorliegen.
Abnehmspritzen: Einfluss auf Migräne-Beschwerden
Ein Team der Universität São Paulo in Brasilien präsentierte kürzlich bei der American Academy of Neurology aktuelle Studienergebnisse. Dabei wurde untersucht, ob und wenn ja wie sich die Anwendung von GLP-1-Rezeptoragonisten bei Patient:innen mit chronischer Migräne auf die Therapie auswirkt. Genau ging es um die Frage, wie oft eine Notfallbehandlung aufgrund der mit der Erkrankung verbundenen Beschwerden notwendig wurde. Berücksichtigt wurden mehr als 10.000 erwachsene Patient:innen, die innerhalb von zwölf Monaten nach der Diagnose mit der Therapie mit einem GLP-1-Rezeptoragonisten (Liraglutid, Semaglutid, Dulaglutid, Exenatid, Lixisenatid oder Albiglutid) begonnen haben. Verglichen wurde der Effekt zudem mit dem unter einer Topiramat-Anwendung.
Das Ergebnis: „Bei Menschen mit chronischer Migräne war die Nutzung von GLP-1-Rezeptoragonisten (Glucagon-like Peptide-1-Rezeptoragonisten) aufgrund anderer Erkrankungen wie Diabetes und Gewichtsabnahme mit insgesamt weniger Notfallaufnahmen und Krankenhausaufenthalten sowie einem geringeren Bedarf an Medikamenten zur Behandlung und Vorbeugung von Migräneattacken verbunden“, heißt es in einer Mitteilung. So mussten entsprechende Patient:innen seltener ins Krankenhaus aufgenommen werden oder eine Triptan-Verschreibung sowie weitere Medikamente bekommen.
Den Grund dafür sehen die Forschenden in den entzündungshemmenden und neurovaskulären Eigenschaften der Wirkstoffe, die die Pathophysiologie der Migräne beeinflussen können.
„Die Studie belegt nicht, dass GLP-1-Rezeptoragonisten den Bedarf an Notfallbehandlungen und zusätzlichen Medikamenten gegen Migräne reduzieren; sie zeigt lediglich einen Zusammenhang auf“, geben die Autor:innen jedoch zu bedenken. Daher seien weitere Studien nötig, um die Beobachtungen zu bestätigen.
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