Statine im Alter: Warum sich Cholesterinsenker über 70 noch lohnen
Atherosklerose entsteht vor allem durch eine lebenslange Belastung mit LDL-Cholesterin. Dass eine medikamentöse Cholesterinsenkung zur Primärprävention von Herzinfarkten und Schlaganfällen wirksam ist, gilt als bewiesen – unklar war jedoch, ob sich ein Behandlungsbeginn im höheren Alter noch lohnt. Eine australische Studie im New England Journal of Medicine liefert nun klare Antworten.
Während längst bewiesen ist, dass bei Erwachsenen mit zu hohen LDL-Cholesterinwerten eine medikamentöse Behandlung zur Verhinderung atherosklerosebedingter Herz-Kreislauf-Erkrankungen hochwirksam ist, blieb bisher die Frage offen, bis zu welchem Alter im Verlauf des Lebens mit einer solchen Behandlung begonnen werden sollte. „Die Wirksamkeit und Sicherheit von Statinen zur Primärprävention von Herz-Kreislauf-Ereignissen und zur Verlängerung des behinderungsfreien Überlebens bei älteren Erwachsenen sind weiterhin ungewiss“, schrieben vor Kurzem Professorin Sophia Zoungas von der Monash University in Melbourne und ihre Co-Autoren im „New England Journal of Medicine“. Seit Jahrzehnten werden weltweit Statine zur Cholesterinsenkung verwendet.
Die australischen Wissenschafter:innen, die sich auf Aspekte der Krankheitsprävention spezialisiert haben, starteten deshalb eine Studie mit Senior:innen: „Wir führten eine doppelblinde, randomisierte, placebokontrollierte Studie in allgemeinmedizinischen Praxen in ganz Australien durch. Erwachsene, die in der Gemeinde lebten und mindestens 70 Jahre alt waren sowie keine Vorerkrankungen des Herz-Kreislauf-Systems, Diabetes oder Demenz aufwiesen, wurden im Verhältnis eins zu eins einer Behandlung mit 40 Milligramm Atorvastatin einmal täglich oder einem identischen Placebo zugeteilt.“ Atorvastatin ist eines der weltweit am häufigsten verwendeten hochwirksamen Statin-Medikamente.
30 Prozent geringeres Risiko
Insgesamt nahmen 9971 Personen an der wissenschaftlichen Untersuchung teil. Sie waren im Mittel 74,7 Jahre alt. Die Beobachtungszeit betrug knapp sechs Jahre. Als erstes Kriterium zur Beurteilung der Ergebnisse dienten Todesfälle durch Herz-Kreislauf-Erkrankungen, nicht tödliche Herzinfarkte oder Schlaganfälle sowie notwendige Bypass-Operationen bzw. Aufdehnungen von Herzkranzgefäßen per Katheter. Das zweite Kriterium umfasste die Sterblichkeit aus allen Ursachen, Demenz oder neu auftretende dauerhafte körperliche Behinderungen.
Laut den Studienresultaten ist der Beginn einer Statin-Behandlung auch noch im fortgeschrittenen Alter zur Verhinderung von Herzinfarkt & Co. sinnvoll. So traten in der Gruppe, die täglich das Medikament eingenommen hatte, 10,9 akute Herz-Kreislauf-Zwischenfälle pro 1000 Personenjahre auf. In der Placebogruppe lag die Häufigkeit hingegen bei 15,5 solcher schweren akuten Erkrankungen pro 1.000 Personenjahre. Das bedeutete eine Verringerung des Risikos um 30 Prozent.
Bei der Gesamtsterblichkeit und neu auftretenden körperlichen Behinderungen gab es hingegen keinen statistisch signifikanten Unterschied. Die Häufigkeit unerwünschter Nebenwirkungen war in beiden Gruppen ähnlich. Am Ende der Studie hatten jene Personen, die das Statin eingenommen hatten, einen um 31 Milligramm pro Deziliter Blut geringeren LDL-Cholesterinwert als die Proband:innen in der Placebogruppe. Kardiolog:innen weisen seit Langem darauf hin, dass eine Behandlung mit diesen Medikamenten einerseits das Fortschreiten der Atherosklerose bremsen kann, andererseits aber auch in der Lage ist, Atherosklerose-Plaques in den Blutgefäßen zu stabilisieren und mit der Gefäßverkalkung einhergehende chronische Entzündungsreaktionen zu dämpfen.
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