„Safe Space“-Apotheke: Erste Anlaufstelle für Jugendliche
Eine „Safe Space“-Apotheke kann Jugendlichen in Not – insbesondere bei häuslicher, sexualisierter oder psychischer Gewalt sowie Stalking – einen sicheren Rückzugsort und diskrete Hilfe bieten. Als erste Anlaufstelle können Betroffene sich dorthin wenden und im vertraulichen Gespräch weitere Schritte gemeinsam besprechen.
In einer „Safe Space“-Apotheke treffen Jugendliche auf ein geschultes Team, das weiß, wie man ruhig, respektvoll und ohne Druck auf Sorgen und Ängste reagiert. Gemeinsam kann man herausfinden: Was hilft jetzt? Wer ist vor Ort zuständig? Und auch bei Telefonaten für einen ersten Termin können die Jugendlichen von Apothekerinnen und Apothekern unterstützt werden.
„OurGenerationZ“
Schon 2019 haben sich Jugendliche gemeinsam in der Initiative „OurGenerationZ“ zusammengeschlossen. Das Ziel: Ansprechpartner in der eigenen Altersgruppe bieten. Auf Initiative der Organisation sind dann die „Safe Space“-Apotheken entstanden. Die zertifizierten Betriebe sind erste Anlaufstelle für Jugendliche in Not und vermitteln im vertraulichen Gespräch lokale Hilfsangebote. Bundesweit gibt es bereits über 40 Safe-Space-Apotheken.
Lara Laurenz, Mitgründerin der Jugendinitiative und Online-Community „OurGenerationZ“ erklärt, dass es oft um weniger akute Themen wie eine dauerhafte Druckbelastung oder Stress zu Hause gehe. „Wir haben aber gemerkt, dass es auch wichtig ist, in der analogen Welt Ansprechpersonen zu haben“, so Laurenz. „Denn einige Fragestellungen brauchen ausgebildete Therapeutinnen und Therapeuten.“
Apotheken hätten dann eine Lotsenfunktion. Generell sei die psychische Belastung unter Jugendlichen sehr hoch und das System überlastet. „Mit ‚OurGenerationZ‘ geht es uns auch um eine Entstigmatisierung – niemand sollte Angst haben, sich Hilfe zu holen“, so Laurenz.
Apotheken in Berlin und Brandenburg
„Bist du lost? Wird dir alles zu viel? Lähmt dich ein Streit?“ Mit diesen Fragen wollen Apotheken in Berlin und Brandenburg Jugendliche ansprechen. Die Gespräche finden meist in einem separaten Raum statt und bieten einen Überblick über Hilfestellen in der Umgebung, wie Jana Noatzke erklärt. Sie arbeitet in der Rosen-Apotheke in Forst in der Lausitz, die seit Kurzem auch bei dem Hilfsprojekt dabei ist. „Die Jugendlichen sollen wissen, es gibt Hilfe“, erklärt sie. „Sie sollen nicht wild im Internet etwas googeln, sondern an seriöse Ansprechpartner geraten.“
Vier Apotheken haben sich mittlerweile schon als „Safe Space“ in Brandenburg registriert – neben Forst außerdem in Cottbus, Fredersdorf-Vogelsdorf und in Petershagen. In Berlin gibt es drei: in Lichtenberg, Steglitz und Hellersdorf.
Allein der Schulstress sei für viele Jugendliche ein wichtiger Punkt. Aber auch Gewalterfahrungen seien wie an vielen anderen Orten ein Thema. „Interessant ist auch der Gesundheitsstress, den sich viele machen“, betont Noatzke. Smartwatches würden mitteilen, dass der Schlaf nicht gut war: „Also holen sie sich in der Apotheke Schlaftabletten“, erklärt sie.
Brücke zur Hilfe
In Erfurt in Thüringen beteiligen sich beispielsweise die Altstadt- und die Stadtpark-Apotheke an der kostenlosen und vertraulichen Hilfestellung. „Wir verstehen uns als Brücke zur Hilfe vor Ort“, erklärt Inhaberin Anna Lihs. Die Apotheke ist vernetzt mit dem städtischen Jugendamt und verschiedenen Beratungsstellen, die für die jeweiligen Anliegen der Jugendlichen geeignet sind. Besonders wichtig: Die jungen Ratsuchenden können anonym und ohne Terminvereinbarung vorbeikommen. „Wir beraten nicht und ersetzten keine psychologische Behandlung – wir lotsen“, stellt Lihs klar.
Auch Gerrit Nattler von den Elisana-Apotheken in Gelsenkirchen und Dorsten beteiligt sich an der Initiative „Safe Space“. Die Kooperation mit der Jugend sei ein „Gamechanger“, sagt Nattler. „Damit erweitern wir nicht nur das Spektrum der Apotheken, sondern definieren auch das Thema Jugendselbsthilfe neu.“ Der Inhaber besprach sich unter anderem mit dem Jugendamt. „Das kommunale Interesse ist groß.“ Ziel sei es, die Jugendlichen mit Problemen an die richtige Stelle zu verweisen.
Wann können Jugendlichen in die Apotheken kommen?
„Wir sind meist barrierefrei, haben lange geöffnet und ein wichtiger Punkt ist auch unsere Schweigepflicht“, erklärt Noatzke. „Alle können immer zu uns kommen und müssen nicht mal ihren Namen sagen.“ Ein erster Satz wäre zum Beispiel: „Ich habe ein Drogenproblem.“ Die „Safe Spaces“ können dann ein erster Ort der Offenbarung sein – und schon Impulse geben.
Dieses und weitere Themen findest du in der neuen Ausgabe der Apotheken Umschau.
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