Statine: Grund für Muskelschmerzen entschlüsselt
Statine gehören zu den Mitteln der Wahl zur Senkung des Cholesterinspiegels und werden täglich millionenfach angewendet. Doch die Wirkstoffgruppe ist auch mit Nebenwirkungen verbunden, beispielsweise mit Beschwerden rund um die Muskeln. Den Grund für Muskelschmerzen durch Statine haben Forschende nun entschlüsselt.
Statine tragen dazu bei, die Cholesterinneusynthese zu unterdrücken, da sie die HMG-CoA-Reduktase hemmen. Dadurch steigt die Aufnahme von Cholesterin aus dem Blutplasma und der Low-Densitity Lipoprotein (LDL)-Cholesterinspiegel im Blut sinkt. Nicht umsonst finden die Wirkstoffe seit Jahrzehnten nicht nur zur Primärprävention kardiovaskulärer Ereignisse, sondern auch zur Behandlung einer Hypercholesterinämie begleitend zu einer Diät, wenn eine Nahrungsumstellung allein nicht erfolgreich war, Anwendung. Zu den häufigen Nebenwirkungen gehören jedoch Muskelprobleme bis hin zu einem Zerfall von Muskelfasern (Rhbdomyolyse). Die Gründe dafür waren bisher unklar. Nun wollen Forschende den Mechanismus für Muskelschmerzen durch Statine entschlüsselt haben. Mit der Cholesterinsenkung hat dieser jedoch offenbar nichts zu tun.
Statine: Muskelschmerzen unabhängig von Cholesterinsenkung
Ein Team der McMaster University in Ontario (Kanada) hat untersucht, wie es zum Auftreten von Muskelschmerzen unter Statinen kommt. Dabei führen sie die Gründe auf einen immunologischen und metabolischen Mechanismus zurück, der Statin-induzierte Muskelschäden verursacht. Diese betreffen bis zu knapp ein Drittel der Patient:innen und können zu Therapieabbrüchen führen.
Genau konnten die Forschenden feststellen, dass Statine die Energieproduktion von Muskelzellen stören und dadurch eine Immunreaktion auslösen können, die Muskelgewebe schädigt. Wurde die entsprechende Immunreaktion blockiert, gelang es in Laborexperimenten und im Mausmodell, einen Großteil dieser Schäden zu verhindern.
Das Besondere: Der Einfluss auf die Muskeln – sprich das Auftreten von Muskelschmerzen durch Statine – war unabhängig von der Cholesterinsenkung. Das bedeutet, bei künftigen Therapien könnten beide Mechanismen womöglich voneinander getrennt werden, so die Hoffnung der Forschenden. Demnach könnte es irgendwann möglich sein, „die Nebenwirkungen gezielt zu behandeln, ohne die kardiovaskulären Vorteile zu beeinträchtigen, die Statine so wertvoll machen.“
Auch wenn es weitere Forschung brauche, um die Erkenntnisse in die Therapiepraxis einzubeziehen, liefern sie dem Team zufolge wichtige Anhaltspunkte, um diese künftig zu optimieren und so die Therapietreue zu erhöhen.
Übrigens: Viele Statin-Nebenwirkungen sind bisher nicht belegt.
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