Medikationsfehler bei Keppra: Apotheken sollen Eltern schulen
In einem Rote-Hand-Brief wird aktuell vor dem Risiko von Medikationsfehlern unter Keppra 100 mg/ml Lösung zum Einnehmen gewarnt. Grund dafür ist ein Wechsel der Applikationsspritze, der zu Fehldosierungen führen kann.
Bereits im Oktober 2024 wurde darüber informiert, dass die Levetiracetam-haltigen Lösungen Keppra und Levetiracetam UCB mit einer neuen Dosierspritze ausgeliefert werden. Den Flaschen zu 150 ml (für Kinder von vier bis sechs Jahren) lag zuvor eine 3-ml-Dosierspritze bei. Diese wurde durch eine 5-ml-Dosierspritze ersetzt, die zwar alle 0,1 ml skaliert ist, im Vergleich zur 3-ml-Spritze jedoch zusätzlich eine 0,25-ml-Skalierungen aufweist.
Daher wurde auf das Risiko von Fehldosierungen hingewiesen und an das medizinische Fachpersonal appelliert, Eltern entsprechend zu sensibilisieren. Nun warnt der Zulassungsinhaber UCB Pharma in Abstimmung mit der Europäischen Arzneimittelagentur (EMA) und dem Bundesinstitut für Arzneimittel und Medizinprodukte (BfArM) in einem Rote-Hand-Brief erneut vor Medikationsfehlern bei Keppra im Zuge der Umstellung der Applikationsspritze.
Levetiracetam gehört zu den Antiepileptika und findet allein bei fokalen Anfällen im Rahmen einer Epilepsie sowie zur Zusatzbehandlung partieller, myoklonischer und primär generalisierter tonisch-klonischer Anfälle Anwendung. Die Wirkung geht auf eine Bindung an das synaptische Vesikelprotein 2A (SV2A) zurück, das wichtig für die Neurotransmitterfreisetzung im zentralen Nervensystem (ZNS) ist, wobei die genaue Funktion noch nicht abschließend geklärt ist. Levetiracetam beeinflusst außerdem die Freisetzung von intraneuronal gespeichertem Calcium.
Keppra: Medikationsfehler durch neue Dosierspritze vermeiden
Wie es im Rote-Hand-Brief heißt, sollen sowohl Ärzt:innen als auch Apotheken die jeweiligen Betreuungspersonen der kleinen Patient:innen explizit auf die Umstellung der Dosierspritze und die damit verbundene Änderung des Volumens sowie der Skalierung auf der Spritze hinweisen. Außerdem soll eine Unterweisung zur korrekten Abmessung der Dosierung sowie zur generellen Anwendung der Applikationsspritze für Zubereitungen zum Einnehmen und deren Reinigung erfolgen. Ein Hinweis auf die Packungsbeilage sowie die Anzeichen und Symptomen einer Levetiracetam-Überdosierung wird ebenfalls angeraten.
Hintergrund der Warnung sind mögliche Medikationsfehler bei Keppra im Zuge der Umstellung. Dadurch sind auch Überdosierungen möglich, die sich unter anderem in Somnolenz, Agitiertheit, Aggression, herabgesetztem Bewusstsein, Atemdepression bis hin zu einem Koma äußern können.
Mögliche Nebenwirkungen oder Medikationsfehler sollen an den Zulassungsinhaber oder das BfArM gemeldet werden.
Die Umstellung der Applikationsspritzen gilt nicht für folgende Pckungsgrößen:
- 150-ml-Flasche mit 1-ml-Applikationsspritze für Zubereitungen zum Einnehmen (für Kinder im Alter von 1 Monat bis 6 Monaten)
- 300-ml-Flasche mit 10-ml-Applikationsspritze für Zubereitungen zum Einnehmen(für Kinder ab 4 Jahren).
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