Glucosamin: Harmloses NEM oder Gefahr für das Gehirn?
Um Gelenkbeschwerden zu verringern beziehungsweise diesen vorzubeugen, greifen viele Verbraucher:innen zu sogenannten „Gelenkkapseln“ – Nahrungsergänzungsmittel mit Glucosamin und/oder Chondroitin. Doch diese sind offenbar alles andere als harmlos und können sich negativ auf das Gedächtnis auswirken.
Auch wenn wissenschaftliche Belege für eine vorbeugende, aber auch funktionserhaltende Wirkung von Glucosamin auf Gelenke und Knorpel Expert:innen zufolge fehlen, stehen verschiedene Nahrungsergänzungsmittel mit der Substanz zur Verfügung, oftmals mit dem Zusatz von Vitamin C oder Zink, um den vermeintlich positiven Effekt zu unterstreichen. Denn für beide Substanzen sind gesundheitsbezogene Aussagen wie „trägt zu einer normalen Knorpel-/Knochenfunktion bei“ erlaubt, für Glucosamin allein dagegen nicht. Und auch in der S3-Leitlinie der Deutschen Gesellschaft für Orthopädie und Unfallchirurgie wird Glucosamin aufgrund fehlender Nachweise über den Nutzen ausdrücklich nicht empfohlen.
Zudem warnte die Verbraucherzentrale erst kürzlich, dass entsprechende Präparate womöglich „gesundheitlich riskant“ sein könnten. Dies gilt beispielsweise für Personen, bei denen Diabetes mellitus diagnostiziert wurde, da Glucosamin den Blutzuckerspiegel beeinflussen kann. Hinzukommen neben gastrointestinalen Nebenwirkungen auch Wechselwirkungen in Kombination mit bestimmten Arzneimitteln – allem voran Gerinnungshemmern –, genau eine Wirkverstärkung.
Doch damit nicht genug. Denn Nahrungsergänzungsmittel mit Glucosamin könnten auch bei Demenz einen negativen Einfluss haben und die Erkrankung noch beschleunigen, zeigen aktuelle Daten.
Glucosamin ist ein Bestandteil des Bindegewebes, des Knorpels und der Gelenkflüssigkeit und kommt im menschlichen Körper natürlich vor. Für Nahrungsergänzungsmittel wird oftmals die Verbindung Glucosaminsulfat verwendet. Die Gewinnung erfolgt in der Regel aus Krebstieren.
Kann Glucosamin Demenz beschleunigen?
Ein Team der Universität Florida hat die Wirkung von Glucosamin genauer untersucht, konkret ging es um den Effekt auf das Gedächtnis. Dafür wurden die Gesundheitsdaten aus den Jahren 2012 bis 2024 von Patient:innen mit leichten kognitiven Beeinträchtigungen oder einer beginnenden Demenzerkrankung analysiert.
Dabei zeigte sich: Wurde Glucosamin eingenommen, hatten diejenigen mit leichten kognitiven Beeinträchtigungen ein um bis zu 25 Prozent erhöhtes Risiko, eine Demenz zu entwickeln. Wer bereits an Demenz erkrankt war, zeigte unter der Einnahme wiederum ein 25 Prozent höheres Sterberisiko.
Für die Forschenden ist somit ein Zusammenhang zwischen Glucosamin und Demenz nachgewiesen. Den Grund dafür führen sie auf einen Stoffwechselweg zurück, bei dem Eiweiße mit Zuckerstrukturen versehen werden (= Glykosylierung). Der Zusatz von Glucosamin könnte das Anheften von Zuckerresten zusätzlich verstärken und so den bei Demenz ohnehin überaktiven Prozess weiter anfeuern.
Ob die Einnahme tatsächlich die Ursache für ein schnelleres Fortschreiten der Erkrankung ist, wurde damit jedoch noch nicht belegt. Dafür brauche es klinische Studie mit menschlichen Patient:innen. Dennoch sollten Betroffene mit kognitiven Beeinträchtigungen Glucosamin am besten nur nach Arztrücksprache einnehmen.
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