ADHS: Psychosen durch Methylphenidat?
Methylphenidat gehört zu den Mitteln der Wahl zur Behandlung einer Aufmerksamkeitsdefizit/Hyperaktivitätsstörung (ADHS). Doch es drohen unerwünschte Wirkungen. Ob Methylphenidat für das Auftreten von Psychosen verantwortlich ist, haben Forschende nun überprüft.
Methylphenidat wird zur Behandlung von ADHS eingesetzt. Dabei handelt es sich um eine Neurotransmitterstörung des Dopaminrezeptors, die in vielen Fällen erblich bedingt ist. Die Erkrankung kann mitunter bis ins Erwachsenenalter fortbestehen. Kennzeichen sind Hyperaktivität, Unaufmerksamkeit und Impulsivität. Neben Atomoxetin soll auch Methylphenidat zur Linderung der Beschwerden beitragen. Der Arzneistoff gehört zu den Amphetamin-ähnlichen Substanzen und wirkt stimulierend im zentralen Nervensystem. Das indirekte Sympathomimetikum hemmt die Wiederaufnahme von Dopamin und Noradrenalin. Somit erhöht sich die extrazelluläre Konzentration. Doch es drohen negative Folgen. Neben einer Erhöhung des Body-Mass-Index‘ steht Methylphenidat in Verdacht, Auslöser für Psychosen zu sein. Forschende widerlegen diese Annahme nun.
Übrigens: Seit Kurzem steht Methylphenidat auch in Form von Kautabletten zur Verfügung.
ADHS: Keine vermehrten Psychosen durch Methylphenidat
Weil ADHS-Patient:innen – allem voran Kinder und Jugendliche – im späteren Lebensverlauf häufiger Psychosen entwickeln, die genaue Ursache dafür jedoch noch unklar ist, kam Methylphenidat als Auslöser unter Verdacht. Ob tatsächlich ein Zusammenhang besteht, haben Forschende der Universität Edinburgh und des University College Dublin überprüft und die Annahme als Mythos enttarnt. Dafür wurden Daten aus einem Patientenregister in Finnland genutzt, bei denen die ADHS-Erkrankungen und die Häufigkeit der Methylphenidat-Verordnungen mit späteren Diagnosen einer Schizophrenie oder anderen Psychosen verglichen wurden.
Demnach ergab sich durch die Methylphenidat-Behandlung kein erhöhtes Risiko. „Das Team fand keine Hinweise darauf, dass die Behandlung mit Methylphenidat das Risiko für die Entwicklung einer Psychose erhöhte“, heißt es in einer Mitteilung. Mehr noch. Es zeigte sich sogar eine gegenteilige Entwicklung. Demnach wurde bei den behandelten Kindern und Jugendlichen seltener eine Schizophrenie-Erkrankung diagnostiziert.
Ob Methylphenidat dabei eine Art Schutzwirkung entfaltet, ist bisher jedoch noch unklar. Vermutet wird jedoch, dass der Wirkstoff über die Symptomkontrolle hinausgehende Vorteile haben könnte und womöglich die Gehirnentwicklung langfristig so beeinflussen könnte, dass die Anfälligkeit für schwere psychische Erkrankungen verringert wird. Um dies zweifelsfrei nachzuweisen, wäre jedoch eine klinische, placebokontrollierte Studie notwendig.
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