Wegen Hyperglykämie: Falscher Krebsverdacht
Verschiedene Beschwerden können zum Verdacht auf eine schwere Erkrankung wie Krebs führen. Dazu gehören unter anderem auch bestimmte Laborwerte und weitere Biomarker. Doch während sich die Befürchtung hierzulande bei rund 500.000 Menschen jährlich bestätigt, kann sie bei anderen widerlegt werden. Ursache für einen falschen Krebsverdacht kann eine Hyperglykämie sein.
Leiden Patient:innen unter einem krankhaft erhöhten Blutzuckerspiegel, ist von einer Hyperglykämie die Rede – genau bei einem Nüchternglukosegehalt von mehr als 100 mg/dl oder einem Wert von mehr als 140 mg/dl zwei Stunden nach dem Essen. Zu den Ursachen gehören unter anderem eine verminderte bis fehlende Insulinausschüttung, eine Insulinresistenz sowie eine Hyperthyreose. Die Anzeichen einer Hyperglykämie zeigen sich in einer erhöhten Harnausscheidung, starkem Durst, Gewichtsverlust, Erbrechen sowie einer Bewusstseinstrübung. Unbehandelt kann der erhöhte Blutzuckerspiegel zu einem hyperglykämischen Koma führen. Doch damit nicht genug. Denn eine Hyperglykämie hat auch Einfluss auf weitere Laborwerte. Genau können dadurch bestimmte Tumormarker stark erhöht werden, wodurch ein falscher Krebsverdacht aufkommt. Das zeigt ein Fallbericht.
Falscher Krebsverdacht: Hyperglykämie erhöhte Tumormarker
Was war passiert? Ein 67-jähriger Patient wurde mit einer schweren Hyperglykämie im Krankenhaus behandelt. Außerdem hatte der Mann im letzten Jahr 15 Kilogramm Gewicht verloren. Vorerkrankungen waren nicht bekannt, er ist jedoch starker Raucher und pflegte einen langjährigen exzessiven Alkoholkonsum.
Sein Gelegenheitsblutzucker lag bei 774 mg/dl, der HbA1c-Wert betrug knapp 15 Prozent (Normalwert weniger als 5,7 Prozent). Weil jedoch außerdem die Cholestaseparameter – Laborwerte, die auf einen Gallenstau hindeuten, – erhöht waren, wurde im Zusammenhang mit dem Gewichtsverlust der Verdacht auf Bauchspeicheldrüsenkrebs getätigt. Bei der Überprüfung des entsprechenden Tumormarkers Carbohydrat-Antigen (CA) 19-9 bestätigte sich eine extreme Erhöhung. Die Suche nach einem Tumor blieb jedoch ergebnislos. Stattdessen normalisierte sich der CA 19-9-Wert stetig, und zwar analog zur Besserung der Blutzuckerwerte, die mittels Insulin- und Ernährungstherapie eingestellt wurden.
Die Erhöhung des Tumormarkers und der daraus folgende falsche Krebsverdacht entstanden somit aller Wahrscheinlichkeit nach durch die Hyperglykämie. Denn diese kann für eine Glykierung von CA 19-9 sorgen und dadurch die Halbwertszeit des Glykoproteins im Serum verlängern. „Stark erhöhter CA19-9-Wert bei Diabetes: Eine Falle für Bauchspeicheldrüsenkrebs“, lautet daher die Warnung der behandelnden Expert:innen, die appellieren, erhöhte Tumormarker nicht als alleinige Anzeichen für eine mögliche Krebserkrankung anzunehmen, sondern auch andere Ursachen im Blick zu behalten. „Erhöhte Werte sind nicht unbedingt ein Indikator für ein Malignom und haben als Screening-Instrument einen beschränkten Nutzen“, heißt es in einer Mitteilung zum Fall.
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