Digoxin: Achtung vor Vergiftungen
Werden Patient:innen mit Digoxin behandelt, heißt es wachsam sein. Denn mitunter droht eine Vergiftung.
Digoxin gehört zu den herzwirksamen Glykosiden und hemmt spezifisch die Adenosintriphosphatase und somit den aktiven Transport von Natrium- und Kaliumionen. Die extra- und intrazellulären Natriumkonzentrationen nähern sich einander an, wodurch der Natrium-Calcium-Austauscher keinen antreibenden Konzentrationsgradienten mehr besitzt. Es bleibt mehr Calcium in der Zelle und es strömt mehr Calcium in die Zelle, das für die Herzmuskelkontraktion benötigt wird. Ist der Austausch von Natrium und Kalium gehemmt, nimmt auch die Impulsüberleitungsrate in Vorhof und AV-Knoten ab.
Der Wirkstoff ist zugelassen zur Behandlung einer manifesten chronischen Herzinsuffizienz sowie bei chronischem Vorhofflimmern/Vorhofflattern. Doch unter der Behandlung heißt es wachsam sein – insbesondere bei älteren Patient:innen. Denn es droht eine Digoxin-Vergiftung – mit schweren Folgen, wie ein Fallbericht zeigt.
Der Fall
Was war passiert? Eine ältere Patientin wurde aufgrund seit mehreren Tagen andauernden Symptomen wie Erbrechen und Verwirrtheit im Krankenhaus behandelt. Die Frau nahm regelmäßig verschiedene Arzneimittel ein, darunter Ramipril, Rosuvastatin, Metformin und Levothyroxin. Und auch Digoxin war der Patientin aufgrund einer vorliegenden Herzinsuffizienz verordnet worden, und zwar in einer Dosierung von 0,125 mg/Tag.
Verschiedene Untersuchungen blieben zunächst ohne Befund und auch der Digoxin-Spiegel befand sich mit 0,8 ng/ml im Normalbereich (0,5-2,0 ng/ml). Dennoch vermuteten die behandelnden Ärzt:innen eine Digoxin-Vergiftung. Diese kann sich unter anderem auf das Herz, den Magen-Darm-Trakt sowie das Zentralnervensystem (ZNS) auswirken. Genau dies war bei der Patientin der Fall. Hinzukommt, dass die Frau aufgrund ihres fortgeschrittenen Alters und einer eingeschränkten Nierenfunktion ein erhöhtes Risiko für eine Intoxikation aufwies – selbst wenn die Serumwerte im Normalbereich lagen. Außerdem wendete sie seit Kurzem zusätzlich Spironolacton an, was die Gefahr für eine Digoxin-Vergiftung zusätzlich erhöhte, weil der Metabolismus von Digoxin beeinflusst wurde.
Digoxin-Vergiftung: Patient:innen über Symptome aufklären
Um die Beschwerden zu lindern, wurde die Medikation vorübergehend ausgesetzt. In schweren Fällen einer Vergiftung kommt jedoch Digoxin-Fab, ein Digoxin-spezifisches Antikörperfragment zum Einsatz. Dieses bindet freies Digoxin im Serum und erzeugt einen Digoxin-Gradienten, der es dem intrazellulären Digoxin ermöglicht, die Zelle zu verlassen und an den Antikörper gebunden zu werden.
Weil die Symptome einer Digoxin-Vergiftung wie im Fallbericht meist eher unspezifisch sind, diese jedoch lebensbedrohliche Folgen bis hin zum Blutdruckabfall oder Herzstillstand zur Folge haben können, appellieren die Mediziner:innen, Patient:innen entsprechend aufzuklären und auf mögliche Anzeichen und Risiken hinzuweisen.
Mehr aus dieser Kategorie
Metoprolol: Vorsicht in Kombi mit Sulfonylharnstoffen
Metoprolol gehört zu den Mitteln der Wahl bei Hypertonie. Doch der Wirkstoff ist mit verschiedenen unerwünschten Wirkungen verbunden. Vorsicht gilt …
Kinderantibiotika: Im Kühlschrank oder bei Raumtemperatur lagern?
Kinderantibiotika sind in der Regel als Pulver zur Herstellung einer Suspension erhältlich. Werden die Trockenpulver mit Leitungswasser zum gebrauchsfertigen Saft …
Ausbleiben der Periode: Was ist zu beachten?
Insgesamt etwa fünf bis sieben Jahre ihres Lebens menstruieren Frauen – im Schnitt bis zu 500 Mal. Doch auch wenn …








