Venofer: Achtung vor Überdosierung bei Eisen-Präparat
Eisen ist für den menschlichen Körper unverzichtbar, an zahlreichen Stoffwechselvorgängen beteiligt und muss in ausreichender Menge zugeführt werden, um einen Mangel zu vermeiden. Doch bei der Supplementierung drohen Risiken, beispielsweise eine Überdosierung eines Eisen-Präparates.
Bis zu jede/r Dritte leidet hierzulande unter Eisenmangel, sprich einer Hämoglobinkonzentration, die unterhalb des alters-, beziehungsweise geschlechtsspezifischen Normwert liegt (< 12 g/dl bei Frauen, < 13 g/dl bei Männern). Neben Schwangeren, menstruierenden Frauen, Vegetarier:innen, Veganer:innen, und Leistungssportler:innen gehören auch Jugendliche, Kinder und Babys zu den Risikogruppen für eine unzureichende Eisenversorgung.
Vor allem Frühgeborene haben ein erhöhtes Risiko. Denn bei ihnen werden aufgrund der verfrühten Geburt kaum oder keine Eisenspeicher in der Leber angelegt. Daher wird eine Supplementierung empfohlen, um einer Eisenmangelanämie vorzubeugen und die physiologische Hämatopoese zu unterstützen. Als Richtwert gelten 2 bis 2,5 mg/kg Körpergewicht pro Tag, beginnend ab der achten Lebenswoche bis zum vollendeten zwölften bis 15. Lebensmonat. Die Anwendung erfolgt in der Regel oral.
Eine parenterale Gabe ist angezeigt, wenn Patient:innen unter ausgeprägten und nicht oral behandelbaren Resorptionsstörungen leiden. Zum Einsatz kommt dann unter anderem Venofer 20 mg Injektionslösung (Vifor). Doch dabei drohen Medikationsfehler. Genau kann es zu einer Überdosierung des Eisen-Präparates kommen, wie die Arzneimittelkommission der deutschen Ärzteschaft (AkdÄ) informiert.
Venofer ist ein eisenhaltiges Arzneimittel, das einen Eisen(III)-Sucrose-Komplex enthält und zur intravenösen Behandlung eines Eisenmangels bei Kindern oder Erwachsenen zum Einsatz kommt, wenn eine die orale Einnahme von Eisenpräparaten nicht möglich ist oder nicht gewünschte Wirkung erzielt hat.
Gesamtmenge statt Einzeldosen: Überdosierung bei Eisen-Präparat
Den Grund dafür sehen die Expert:innen in Anwendungsfehlern. Genau sind Fehlinterpretationen der Dosierungsangaben in den Fachinformationen die Ursache für eine Überdosierung des Eisen-Präparates Venofer. Das macht die AkdÄ anhand von verschiedenen gemeldeten Fallberichten deutlich, bei denen die kleinen Patienten unter der Behandlung Nebenwirkungen wie Exantheme, Übelkeit und Co. entwickelten.
Dies lag daran, dass zu hohe Dosen Venofer verabreicht wurden. „Normalerweise wird eine intravenöse Eisengabe von 3-7 mg/kg Körpergewicht als Einzeldosis verabreicht“, so die Expert:innen. Die Patienten erhielten jedoch ein Vielfaches davon – genau bis zu 250 mg Eisen, weil die Tabelle in der Fachinformation von Venofer falsch gedeutet wurde. Dort ist die zu verabreichende Gesamtmenge aufgeführt, die notwendig ist, um das Eisendefizit vollständig auszugleichen. Diese darf laut der AkdÄ aber nicht als Einzeldosis verabreicht werden, sondern sollte aufgeteilt werden. Dies erfolgte in den berichteten Fällen jedoch nicht, sodass die fünf- bis zehnfach erhöhte Dosis verabreicht wurde.
Um eine Überdosierung des Eisen-Präparates künftig zu vermeiden, appellieren die Expert:innen, die Fachinformation entsprechend anzupassen und beispielsweise um die jeweilige Einzeldosis zu ergänzen.
Das könnte dich auch interessieren
Mehr aus dieser Kategorie
Wegovy: Keine Sonderregelung bei kurzem Verfall
„Um den Markt bestmöglich zu versorgen, haben wir Anfang Dezember eine Charge der 0,5 mg Wegovy Pens mit dem Verfallsdatum …
Codein-Tropfen: Abhängigkeit/Sucht müssen in Beipackzettel
Zu Codein-haltigen Arzneimitteln wurde ein Sicherheitsberichte bewertendes Verfahren auf europäischer Ebene durchgeführt. Das Ergebnis: Die Fach- und Gebrauchsinformationen müssen angepasst …
ADHS: Methylphenidat treibt BMI in die Höhe
Bis zu 6 Prozent der Kinder und Jugendlichen leiden allein hierzulande unter einer Aufmerksamkeitsdefizit/Hyperaktivitätsstörung (ADHS). Zur Behandlung gehört Methylphenidat zu …












