Adipositas: Senken Abnehmspritzen das Krebsrisiko?
Der Hype um Abnehmspritzen ist ungebrochen, denn diese sollen nicht nur schnell die Kilos purzeln lassen, sondern sogar Einfluss auf das Krebsrisiko haben. Das zumindest zeigen aktuelle Ergebnisse. Es gilt jedoch Vorsicht.
Über das Für und Wider von GLP-1-Rezeptoragonisten wie Semaglutid wird immer wieder diskutiert. So können diese zwar den Blutzuckerspiegel senken und zu einem signifikanten Gewichtsverlust führen und werden daher vor allem als Abnehmspritzen gefeiert.
Allerdings droht schon kurz nach dem Absetzen ein Jo-Jo-Effekt. Zudem stellt sich die Frage, ob die Wirkstoffe das Risiko für Krebserkrankungen erhöhen könnten. Doch wie sich zeigt, ist das Gegenteil der Fall. Demnach könnten Abnehmspritzen das Krebsrisiko sogar senken – mit einer Ausnahme.
Zur Erinnerung: GLP-1-Analoga wirken selektiv als GLP-1-Rezeptor-Agonisten – binden die Wirkstoffe an den Rezeptor, wird dieser aktiviert. Dadurch wird einerseits der Blutzuckerspiegel glucoseabhängig durch Stimulation der Insulinsekretion und Senkung der Glucagonsekretion gesenkt. Andererseits kommt es zu einer Appetitreduktion und damit einer geringeren Energieaufnahme.
Abnehmspritzen: Geringeres Krebsrisiko …
GLP-1-Rezeptoragonisten kommen neben der Diabetes-Behandlung meist zur schnellen Gewichtsreduktion zum Einsatz, auch off-label. Denn nur einige Präparate sind auch zum Gewichtsmanagement, beispielsweise bei Adipositas, zugelassen, genau als Ergänzung zu einer kalorienreduzierten Ernährung und verstärkter körperlicher Aktivität zur Gewichtsregulierung, einschließlich Gewichtsabnahme und Gewichtserhaltung, bei Erwachsenen mit einem Body-Mass-Index (BMI) von ≥ 30 kg/m2 (Adipositas) oder ≥ 27 kg/m2 bis < 30 kg/m2 (Übergewicht), bei denen mindestens eine gewichtsbedingte Begleiterkrankung vorliegt.
Weil es sich bei Adipositas um eine chronische Erkrankung handelt, die mit zahlreichen Folgeerkrankungen in Verbindung steht, ist eine Dauertherapie angezeigt. Wird die Erkrankung jedoch mit Abnehmspritzen wie Wegovy behandelt, kann sich das Krebsrisiko womöglich verringern. Zu diesem Ergebnis kommt ein Team der Universität von Indiana (USA).
Dafür wurden die Krankenakten von mehr als 43.000 Patient:innen, die aufgrund von Übergewicht/Adipositas mit einem GLP-1-Rezeptoragonisten behandelt wurden analysiert. Dabei wurde die gleiche Zahl an Patientendaten gegenübergestellt, die keine entsprechende Behandlung erhielten. Beim Vergleich zeigte sich unter den Abnehmspritzen ein deutlich geringeres Krebsrisiko. Genau kam es seltener zu den 13 häufigsten Adipositas-assoziierten Krebserkrankungen (inklusive Lungenkrebs). Am größten fiel der Effekt in Bezug auf die Entwicklung eines Ovarial- oder Endometriumkarzinoms sowie eines Meningenoms aus.
… aber auch Einschränkungen
Allerdings stellten die Forschenden fest, dass Patient:innen häufiger an Nierenkrebs erkrankten. Ihnen zufolge war der Unterschied im Vergleich zu adipösen Patient:innen ohne Abnehmspritzen zwar nicht signifikant, sollte jedoch trotzdem weiter im Blick behalten werden.
Hinzukommt, dass bei Krebserkrankungen von der Entstehung bis zur Diagnose in der Regel mehrere Jahre vergehen, wohingegen GLP-1-Analoga mitunter erst seit Kurzem in der Indikation Adipositas zugelassen sind und die Anwendungsdauer oftmals geringer ausfällt. Ob Abnehmspritzen daher wirklich das Krebsrisiko senken könnten, sei somit fraglich.
Dennoch legen die Ergebnisse der Studie nahe, dass die Anwendung von GLP-1-Rezeptoragonisten das Krebsrisiko beeinflussen kann und unterstreichen die Notwendigkeit einer langfristigen Nachbeobachtung, um die zugrunde liegenden Mechanismen zu verstehen, heißt es.
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