Vaginale Infektionen in der Schwangerschaft: Wie richtig behandeln?
Vaginale Infektionen zählen zu den häufigsten behandlungsbedürftigen Erkrankungen bei Frauen. In der Schwangerschaft können sie nicht nur Beschwerden verursachen, sondern auch den Schwangerschaftsverlauf sowie die Gesundheit des Kindes gefährden. Mögliche Folgen sind Frühgeburten, vorzeitige Wehen oder einen Blasensprung. Einige Erreger können zudem während der Geburt auf das Neugeborene übergehen und schwere Infektionen auslösen.
Laut den Expert:innen der Arzneimittelplattform Embryotox sollten behandlungsbedürftige Infektionen in der Schwangerschaft konsequent therapiert werden – selbst dann, wenn die Schwangere symptomlos ist. Eine wichtige Ausnahme bildet die beschwerdefreie Besiedlung mit B-Streptokokken: Hier erfolgt die Prophylaxe in der Regel erst unter der Geburt.
Chlamydien: Screening und gezielte Antibiose
Eine Infektion mit Chlamydia trachomatis erhöht das Risiko für einen vorzeitigen Blasensprung, Chorioamnionitis, Frühgeburten und ein niedriges Geburtsgewicht. In Deutschland gehört das Chlamydien-Screening daher zur Standard-Vorsorge zu Beginn der Schwangerschaft. Bei einem positiven Befund ist eine antibiotische Therapie indiziert. Um eine wechselseitige Wiederansteckung zu vermeiden, muss der Partner mitgetestet und gegebenenfalls mitbehandelt werden.
Bleibt die Infektion bis zur Entbindung unentdeckt, kann der Erreger unter der Geburt auf das Kind übergehen: Bei bis zu 50 Prozent der betroffenen Neugeborenen entwickelt sich eine Einschlusskörperchen-Konjunktivitis, bei rund 20 Prozent eine atypische Pneumonie. Seltener treten eine Otitis media oder Infektionen des Nasopharynx auf. Bei der Mutter steigt das Risiko für eine Endometritis im Wochenbett.
- Mittel der Wahl: Azithromycin
- Alternativen: Erythromycin oder Amoxicillin
- Reservemittel: Ofloxacin und Levofloxacin (nur in Ausnahmefällen)
- Kontraindiziert: Doxycyclin sollte insbesondere ab der 17. Schwangerschaftswoche (nach der 16. SSW) gemieden werden.
Bakterielle Vaginose: Frühdiagnose schützt vor Frühgeburt
Auch die bakterielle Vaginose geht mit einem gesteigerten Risiko für vorzeitige Wehen, Blasensprünge und Frühgeburten einher. Bei entsprechendem Verdacht sollte frühzeitig ein Vaginalabstrich erfolgen. Bestätigt sich die Diagnose, wird eine antibiotische Therapie empfohlen – insbesondere bei Frauen, die bereits eine Frühgeburt hatten.
- Mittel der Wahl: Metronidazol oder Clindamycin
- Sonderfall Trichomoniasis: Hier gilt systemisch verabreichtes Metronidazol als Mittel der Wahl.
B-Streptokokken: Schutz durch Prophylaxe unter der Geburt
Bis zu ein Drittel aller Schwangeren ist symptomlos mit B-Streptokokken besiedelt. Diese Besiedlung gefährdet die laufende Schwangerschaft meist nicht, weshalb vorab keine Antibiose nötig ist. Gefährlich ist jedoch die Übertragung auf das Neugeborene während des Geburtsvorgangs, da sie beim Kind eine schwere Sepsis auslösen kann. Embryotox empfiehlt daher einen Abstrich zwischen der 35. und 37. Schwangerschaftswoche.
Fällt der Befund positiv aus, wird während der Entbindung eine intravenöse Antibiotikaprophylaxe durchgeführt. Dies gilt auch, wenn bereits ein vorheriges Kind eine B-Streptokokken-Infektion hatte oder während der aktuellen Schwangerschaft B-Streptokokken im Urin nachgewiesen wurden.
- Mittel der Wahl: Penicillin G.
- Alternativen: Ampicillin oder Cefazolin
- Bei Penicillinallergie: Clindamycin – jedoch erst nach vorheriger Resistenztestung.
Candidose: Behandlung vor allem zum Schwangerschaftsende
Aufgrund hormoneller Veränderungen sind rund 30 Prozent der Schwangeren von Pilzinfektionen betroffen (in über 85 Prozent der Fälle durch Candida albicans). Eine Candidose erhöht das Risiko für Komplikationen vermutlich nicht direkt, kann aber durch die Milieuveränderung in der Scheide das Wachstum anderer Erreger begünstigen.
Liegt zum Geburtszeitpunkt eine Besiedlung vor, überträgt sich der Pilz bei etwa 80 Prozent der Neugeborenen auf Mundhöhle und Magen-Darm-Trakt. Um Mundsoor und Windeldermatitis vorzubeugen, wird bei einem Nachweis in den letzten sechs Schwangerschaftswochen eine antimykotische Therapie empfohlen.
- Mittel der Wahl: Clotrimazol
- Alternative: Miconazol
- Hinweis: Nystatin gilt zwar als sicher, zeigt in der Schwangerschaft jedoch eine schwächere Wirksamkeit.
Genitalherpes: Hohes Risiko bei Erstinfektion nahe der Geburt
Besonders relevant ist vor allem eine erstmalige, unbehandelte Infektion mit dem Herpes-simplex-Virus Typ 2 kurz vor der Entbindung: Hier liegt das Übertragungsrisiko auf das Kind bei rund 50 Prozent. Deutlich geringer ist das Risiko bei einem wiederkehrenden Herpes genitalis. Hier liegt die Übertragungswahrscheinlichkeit bei etwa ein bis fünf Prozent.
Da eine Herpesinfektion beim Neugeborenen mit einer hohen Erkrankungs- und Sterblichkeitsrate einhergeht, rät Embryotox sowohl bei primären Infektionen als auch bei symptomatischen Rezidiven zur systemischen antiviralen Therapie.
- Mittel der Wahl: Aciclovir (systemisch)
- Geburtsmodus: Liegen zum Geburtstermin aktive genitale Läsionen vor, wird in der Regel ein Kaiserschnitt empfohlen.
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