Hoffnung bei wiederkehrenden Blasenentzündungen: Phagen und Mikrobiom-Transfer statt Antibiotika
Vor allem Frauen leiden häufig unter wiederkehrenden Harnwegsinfektionen (rHWI). Die Standardbehandlung basiert meist auf Antibiotika – was bei wiederholten Rückfällen oft zu Resistenzen führt. Ein Forschungsteam aus Deutschland und der Schweiz hat daher eine vielversprechende Alternative untersucht: Die Kombination aus Phagentherapie und der Übertragung von Darmbakterien (Fäkaltherapie).
An der gemeinsamen Studie beteiligten sich Wissenschaftler:innen der Universitätsklinik Balgrist, der Universität Zürich, der Universität und des Universitätsklinikums Köln, der Goethe-Universität Frankfurt sowie des Deutschen Zentrums für Infektionsforschung (DZIF). Unter der Leitung der Medizinbiologin Dr. Shawna McCallin und des Urologen Dr. Lorenz Leitner testete das Team den doppelten Ansatz erstmals an drei Patientinnen. Alle drei litten unter chronischen Infekten durch den Erreger Escherichia coli (E. coli), bei denen weder Antibiotika noch andere gängige Behandlungen anschlugen.
Gezielte Bekämpfung in Blase und Darm
Die Behandlung kombinierte zwei Verfahren: Bakteriophagen – spezielle Viren, die gezielt Bakterien und selbst multiresistente Keime abtöten – wurden über acht Tage hinweg sowohl oral als auch direkt über einen Katheter in die Blase verabreicht. Zwei der drei Patientinnen erhielten in Köln zusätzlich eine Darmfloratransplantation (FMT).
Dieser kombinierte Ansatz adressiert das Grundproblem: Die Erreger besiedeln häufig nicht nur die Harnwege, sondern bilden auch im Darm ein Reservoir. Dort überstehen sie oft Antibiotikabehandlungen und entwickeln Resistenzen. Während die Phagen den Krankheitserreger direkt bekämpfen, soll die FMT ein gesundes Mikrobiom aufbauen und so ein erneutes Ausbreiten der Keime langfristig verhindern.
Erste Erfolge und hohe Verträglichkeit
Die Therapien verliefen ohne spürbare Nebenwirkungen und zeigten ermutigende Resultate: Bei den beiden Frauen mit Kombinationstherapie ging die Zahl der Infekte über einen Beobachtungszeitraum von zwei Jahren nachhaltig zurück. Die Patientin, die ausschließlich Phagen erhielt, erlitt zwar weiterhin Infektionen, jedoch mit deutlich schwächeren Symptomen. Bei allen Behandelten stieg die Lebensqualität spürbar, während der Bedarf an Antibiotika sank.
Große klinische Studie für 2027 geplant
Trotz der Erfolge betont Studienleiterin McCallin, dass drei Fälle ohne Kontrollgruppe noch nicht ausreichen, um eine neue Standardtherapie zu etablieren. Die bisherigen Ergebnisse liefern jedoch die wissenschaftliche Grundlage für eine umfassende klinische Überprüfung. Diese soll im Juni 2027 an den beteiligten Zentren starten, um die Wirksamkeit fundiert zu belegen und die Behandlung langfristig für Betroffene zugänglich zu machen.
Die Ergebnisse dieser Fallserie wurden im Fachjournal Nature Microbiology veröffentlicht.
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