Gesundheits-Apps: Bessere Orientierung bei der App-Wahl
Weltweit stehen in den App-Stores mehrere Hunderttausend Gesundheits-Apps zur Auswahl. Für Patient:innen wie auch für medizinisches Personal ist die tatsächliche Qualität dieser Anwendungen jedoch nur schwer einzuschätzen. Das verdeutlichte Petra Hoogendoorn vom Projekt Label2Enable auf dem European Health Forum Gastein (EHFG). Abhilfe schaffen könnte der von der EU initiierte ISO-Standard für Gesundheits-Apps (ISO/TS 82304-2). Derzeit befindet sich das System in der Testphase. Das Ergebnis soll Anwender:innen über eine Kennzeichnung Orientierung bieten, die optisch dem bekannten EU-Energielabel ähnelt.
Steigender Bedarf an Unterstützung
Aktuelle Erhebungen zeigen, dass Angststörungen in der EU zwischen 2015 und 2023 um knapp 44 Prozent zugenommen haben. Nach Angaben der Weltgesundheitsorganisation (WHO) ist in der europäischen Region mittlerweile jeder sechste Mensch von einer psychischen Erkrankung betroffen – ein Trend, der durch die Corona-Pandemie bei Angststörungen und Depressionen global verstärkt wurde.
„Ein Drittel der Hilfesuchenden im Bereich der mentalen Gesundheit erhält nicht die Unterstützung, die sie benötigen oder sich wünschen“, erklärte Kadri Soova von der Organisation Mental Health Europe. Trotz des hohen Bedarfs blickt sie zurückhaltend auf digitale Angebote. Zwar böten digitale Tools vielfältige Möglichkeiten, sie sollten jedoch stets als Ergänzung verstanden werden: Der Kern wirksamer Hilfe bleibe die menschliche Zwischenbeziehung.
Vertrauen ist entscheidend
In Deutschland übernehmen Krankenkassen bereits bei etlichen Gesundheits-Apps die Kosten – rund die Hälfte davon richtet sich an Menschen mit psychischen Belastungen. Eine Umfrage zeigt, wie wichtig Vertrauen bei der Nutzung ist: 53 Prozent der Befragten würden eine App nur nutzen, wenn sie staatlich zertifiziert ist; 33 Prozent setzen eine ärztliche Verordnung voraus. Während das Vertrauen in Fachpersonal hoch bleibt, greifen viele im Alltag dennoch auf eine eigenständige Online-Suche zurück.
Das Digital-Health-Paradoxon
Auf ein ungelöstes Problem wies Robin van Kessel von der London School of Economics hin: Untersuchungen zeigen, dass vor allem Jüngere, Frauen sowie Menschen mit höherem Einkommen zu Gesundheits-Apps greifen. Demgegenüber tragen Personen aus niedrigeren sozioökonomischen Schichten und Arbeitslose ein höheres Risiko für mentale Erkrankungen – eine Dynamik, die van Kessel als „Digital-Health-Paradoxon“ bezeichnet.
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