Schlaflosigkeit und Schlaganfall: Ein unterschätztes Warnsignal für die Gesundheit
Schlaflosigkeit raubt nicht nur den erholsamen Schlaf und mindert die Tagesform, sondern kann auch ernste gesundheitliche Folgen haben. Eine internationale Übersichtsstudie unter Beteiligung der Medizinischen Universität Wien verdeutlicht nun den Zusammenhang zwischen Insomnie, Schlaganfällen, Krankenhausaufenthalten sowie neurologischen und psychischen Erkrankungen.
Jede zweite Person betroffen
Schlaflosigkeit (Isomnie) gilt als die häufigste Schlafstörung bei Erwachsenen: Bis zu 50 Prozent erleben zeitweise Schlafprobleme, während rund 22 Prozent der Bevölkerung unter chronischer Isomnie leiden. Frauen sind dabei doppelt so häufig betroffen wie Männer. Bei älteren Menschen liegt die Quote sogar bei fast 30 Prozent.
Die Kernergebnisse der Studie: Das Forschungsteam wertete Daten zu verschiedenen Gesundheitsbereichen aus und erstellte neue systematische Analysen:
- Erhöhtes Schlaganfallrisiko: Auswertungen von Daten von über 1,3 Millionen Menschen ergaben, dass Schlaflosigkeit mit einem um 26 Prozent höheren Schlaganfallrisiko einhergeht.
- Mehr Krankenhausaufenthalte: Menschen mit Insomnie haben ein um 28 Prozent höheres Risiko, ins Krankenhaus eingeliefert zu werden.
- Einfluss auf Gehirn und Psyche: Die Erhebung zeigt zudem deutliche Verbindungen zu Demenz (insbesondere Alzheimer), Depressionen und suizidalem Verhalten.
Schlaf als wichtiger Pfeiler der Gesundheitsvorsorge
„Schlaf sollte in jedem Lebensalter Teil der Diskussion über Gehirngesundheit sein. Wir sollten das Bewusstsein für Insomnie und ihre Behandlung stärken“, betont Co-Autor Professor Dr. Stefan Seidel von der MedUni Wien und ärztlicher Direktor der Klinik Pirawarth. Er plädiert dafür, das Thema Schlaf verstärkt in Gesundheitsförderungsprogramme in Schulen, am Arbeitsplatz und in der Gemeinde zu integrieren.
Zusammenhang ist nicht zwingend Ursache
Die Forschenden betonen, dass die Ergebnisse keine direkte ursächliche Wirkung der Insomnie belegen. Unterschiede bei der Definition von Schlaflosigkeit sowie mögliche Einflussfaktoren wie die Einnahme von Schlafmedikamenten schränken die Aussagekraft einzelner Analysen ein. Die Ergebnisse sprechen jedoch dafür, Insomnie als möglichen Warnhinweis im Zusammenhang mit Gehirn- und psychischer Gesundheit stärker zu berücksichtigen.
Die Ergebnisse wurden im Fachjournal Sleep Medicine Reviews unter dem Namen „Insomnia as risk factor for brain, mental and general health consequences: an umbrella systematic review“ veröffentlicht.
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