Gefahr Bauchfett: Warum der BMI oft täuscht
Übergewicht und Adipositas gehören zu den zentralen Risikofaktoren für Herzerkrankungen wie Herzinfarkte oder Herzinsuffizienz. Bislang diente in der Regel der Body-Mass-Index (BMI) als Standard zur Risikobeurteilung. Eine jüngste Studie unter der Leitung von Doktor Alexander Peikert von der Med Uni Graz zeigt jedoch, dass ein anderer Parameter deutlich besser geeignet ist: das Verhältnis von Taillenumfang zu Körpergröße, die sogenannte Waist-to-Height Ratio (WHtR).
Die Schwachstellen des BMI
Der BMI berechnet sich rein aus Körpergröße und Gewicht. Er unterscheidet jedoch nicht zwischen Muskel-, Fett- und Knochenmasse und berücksichtigt nicht, wie das Fett im Körper verteilt ist – etwa an den Oberschenkeln oder am Bauch. Doch gerade das viszeral gestaltete Bauchfett bringt erhebliche gesundheitliche Nachteile mit sich und steigert das Risiko für kardiovaskuläre Erkrankungen maßgeblich.
„Eine moderne und einfach zu bestimmende Alternative ist die Waist-to-Height Ratio. Sie setzt den Taillenumfang ins Verhältnis zur Körpergröße und zeigt somit verlässlich, wie stark sich das Fett im Bauchbereich konzentriert“, erklärt der Grazer Kardiologe Alexander Peikert.
In seiner im renommierten European Heart Journal veröffentlichten Studie untersuchte er den Zusammenhang von BMI und WHtR mit dem Krankheitsverlauf und insbesondere mit herzinsuffizienzbedingten Krankenhausaufenthalten. Für seine Erkenntnisse wurde Peikert mit dem angesehenen Desmond Julian Award ausgezeichnet, einer der weltweit höchsten Ehrungen in der kardiologischen Forschung.
Erschreckende Ergebnisse aus weltweiten Daten
Für die Analyse wertete Peikert die Daten der PARAGON-HF-Studie aus – der bisher größten weltweiten Untersuchung zur Behandlung von Herzinsuffizienz.
- Ergebnis nach BMI: 49 Prozent der 4.796 Patient:innen wurden als adipös eingestuft.
- Ergebnis nach WHtR: Ganze 96 Prozent wiesen eine deutliche Fettansammlung am Bauch auf (zentrale Adipositas).
Besonders auffällig: Von den Patient:innen, die nach ihrem BMI nicht als übergewichtig oder adipös galten, hatten dennoch 37 Prozent stark ausgeprägtes Bauchfett – und damit ein unerkannte erhöhtes Risiko für eine Herzschwäche.
Die WHtR zeigte zudem einen signifikant stärkeren Zusammenhang mit dem Risiko für spätere Krankenhausaufenthalte als der BMI. Ein weiterer Vorteil: Das sogenannte Adipositas-Paradoxon trat bei der WHtR nicht auf. Dieses Phänomen täuscht beim BMI mitunter vor, dass Übergewicht bei bestimmten chronischen Erkrankungen einen Überlebensvorteil bieten würde.
Fettverteilung als Schlüssel zur Diagnose
Die Ergebnisse der Studie stellen laut Peikert die bisherige starke Fokussierung auf den BMI infrage: „Bei der Beurteilung von Adipositas und des Herz-Kreislauf-Risikos bei HFpEF-Patientinnen und -Patienten sollte demnach nicht mehr ausschließlich darauf geschaut werden, wie viel jemand wiegt, sondern auch darauf, wo sich das Fett im Körper befindet. Die WHtR könnte hierfür ein einfaches und aussagekräftigeres Maß sein“, schloss Peikert.
Darüber hinaus zeigte die Analyse, dass zentrale Adipositas bei der Herzinsuffizienz mit erhaltener Auswurffraktion(HFpEF) flächendeckend vorkommt. Dies stelle die bisherige Annahme infrage, dass Bauchfett nur für eine bestimmte Untergruppe von Bedeutung ist. Vielmehr könnte zentrale Adipositas ein grundlegendes Merkmal dieser Form der Herzschwäche sein.
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