Pflanzlich durch die Wechseljahre: Was hilft wirklich?
Wenn Hitzewallungen und Nachtschweiß den Alltag belasten, suchen viele Frauen nach wirksamer Linderung. Neben rezeptpflichtigen Hormontherapien verspricht auch der Markt für frei verkäufliche Präparate schnelle Abhilfe. Das Angebot reicht von pflanzlichen Arzneimitteln mit Traubensilberkerze oder Rhapontikrhabarber bis hin zu unzähligen Nahrungsergänzungsmitteln auf Basis von Soja oder Rotklee. Eine pharmazeutische Untersuchung im Auftrag von Öko-Test von 23 dieser Produkte zeigt jedoch: Nicht alles im Regal hält, was es verspricht.
Bedenkliche Risiken und irreführende Versprechen
Der entscheidende Unterschied liegt im Zulassungsverfahren: Während Arzneimittel behördlich geprüft werden, gelten Nahrungsergänzungsmittel rechtlich lediglich als Lebensmittel und müssen vorab keinen Nachweis über eine gezielte Linderung von Beschwerden erbringen. Werden zudem mehrere pflanzliche Wirkstoffe in einer Kapsel kombiniert, steigt das Risiko unvorhersehbarer Wechselwirkungen. Hinzu kommt, dass manche Hersteller mit gesetzlich erlaubten, für das Gesamtergebnis aber unbedeutenden Detailaussagen werben – etwa zur Funktion von Vitamin B6 im Hormonhaushalt. Zwar ist die Aussage zulässig, dass Vitamin B6 zu einer normalen Regulierung der Hormontätigkeit beiträgt, dies betrifft jedoch gar nicht jene Hormone, die in den Wechseljahren entscheidend sind. Den typischen Rückgang von Östrogen und Progesteron kann der Zusatzstoff weder verhindern noch ausgleichen.
Wirksame Heilpflanzen, kritische Zusätze und fachliche Beratung
Echten Nutzen bieten hingegen pflanzliche Arzneimittel mit Traubensilberkerze oder Rhapontikrhabarberwurzel, deren Wirksamkeit gegen Symptome wie übermäßiges Schwitzen gut belegt ist. Auch die medizinische S3-Leitlinie verweist darauf, dass eine tägliche Dosis von mindestens 30 Milligramm Isoflavonen aus Soja oder Rotklee Beschwerden positiv beeinflussen kann. Allerdings weisen selbst geprüfte Präparate oft Schattenseiten auf, da einige Produkte bedenkliche Hilfsstoffe wie das vermutlich krebserregende Talkum oder den in Lebensmitteln bereits verbotenen Weißmacher Titandioxid enthalten. Von einer eigenmächtigen Auswahl wird daher abgeraten; sinnvoll ist eine individuelle gynäkologische Beratung – zumal Frauen mit einer Brustkrebs-Vorgeschichte auf Isoflavone verzichten sollten.
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