Ausfall-Schutz: So retten Notfall-Tools das E-Rezept-Chaos
Wenn die Telematikinfrastruktur (TI) durch Kartenstörungen – wie aktuell bei SMC-B- und HBA-Zertifikaten von D-Trust – ausfällt, steht der Betrieb in vielen Vor-Ort-Apotheken still. Das Problem betrifft die Schnittstelle zur Gematik: Ohne funktionierende Zertifikate schlägt der direkte Abruf fehl. Um Versorgungsengpässe zu vermeiden, greifen Apotheken zunehmend auf Notfall- und Fallback-Systeme zurück.
Lokale Hardware-Auslesung: RX-Point
Das Terminal RX-Point der Firma Akami (gegründet von Mycare-Mitgründer Matthias Buse) dient ursprünglich der direkten E-Rezept-Übermittlung aus Pflegeeinrichtungen via KIM. Im Notbetrieb nutzen Apotheken das System als Auslesegerät: Durch Stecken der elektronischen Gesundheitskarte (eGK) lassen sich die verordneten Daten lokal auf dem Display visualisieren. Dies ermöglicht die umgehende Abgabe, auch wenn der reguläre TI-Standardweg blockiert ist.
Dezentrale Patienten-Einbindung: CardLink-Prozesse
Über Plattformen wie Gesund.de oder IhreApotheken.de nutzen Patient:innen die eGK-Validierung per Smartphone. Die Verordnung wird direkt in der App ausgelesen und an die Apotheke übermittelt. Das System puffert die Bestellung digital ab; die formale Buchung sowie die Abrechnung im Warenwirtschaftssystem erfolgen nach Behebung der TI-Störung rückwirkend.
Vollständige Redundanz: RED telematik safe
Einen umfassenden Ausfallschutz bietet Red Medical mit der webbasierten Lösung „RED telematik safe“. Die Software greift auf einen unabhängigen, redundant angebundenen TI-Zugang zurück und arbeitet autark vom primären Konnektor. Sämtliche Rezeptionsdaten inklusive Rabattverträgen und Securpharm-Codes werden während des Ausfalls datenschutzkonform zwischengespeichert. Nach Systemwiederherstellung werden die generierten Barcodes zur Weiterverarbeitung im Hauptsystem vom Bildschirm abgescannt.
Systemgrenzen virtueller Konnektoren: Pharmatechnik
Das Routing-Modell von Pharmatechnik (Ixos) ermöglicht die Umleitung der TI-Anfrage über den Konnektor einer Partner-Apotheke. Während das Auslesen der Verordnung somit ausgelagert wird, erfolgen Signatur und Abrechnung nachgelagert über die eigene SMC-B. Bei flächendeckenden Zentralstörungen stößt dieser Ansatz jedoch an seine Grenzen, da auch die Partner-Konnektoren betroffen sind.
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